Extrem-Kletterer Stefan Glowacz: Nach Venezuela nun in den Himalaya

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Datum: 04. April 2011
Uhrzeit: 11:31 Uhr
Ressorts: Panorama, Venezuela
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Autor: Redaktion
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► Südgipfel des Gauri Shanka soll bezwungen werden

Der Profi-Bergsteiger und Extrem-Kletterer Stefan Glowacz, dem gemeinsam mit seinem Kletterpartner Holger Heuber die Erstbegehung an der Wand La Proa am Roraima Tepuis in Venezuela gelungen ist, bricht am 18. April gemeinsam mit dem Topalpinisten David Göttler und dem Spezialisten in der Natur- und Kletterfotografie, Klaus Fengler, nach Nepal auf. Dort wollen sie den 7.030 Meter hohen Südgipfel des Gauri Shanka besteigen – natürlich nicht über den Normalweg.

Spricht Stefan Glowacz von seinem Leben, benutzt er gerne den Ausdruck „Spielformen des Kletterns“. Fast alle hat er professionell ausgeübt und geprägt: das Sportklettern bei internationalen Wettkämpfen ebenso wie das alpine Freiklettern in den entlegensten Regionen dieser Welt. Eine Spielform aber fehlt ihm: das Klettern in großer Höhe. Das wird sich nun ändern, denn am 18. April bricht Glowacz gemeinsam mit dem Topalpinisten David Göttler und dem Spezialisten in der Natur- und Kletterfotografie, Klaus Fengler, nach Nepal auf. Dort wollen sie den 7.030 Meter hohen Südgipfel des Gauri Shanka besteigen – natürlich nicht über den Normalweg

Ein Traum, der über Jahre gewachsen ist
„Ich weiß es nicht“, beantwortet Stefan Glowacz kurz und knapp die Fragen, was ihn in Nepal erwartet und wie er mit der Höhe zurechtkommen wird. Der Profi-Kletterer kann es nicht beurteilen, weil er es nie erlebt hat. Er meisterte bereits schwierigste alpine Kletterrouten fernab der Zivilisation. Nie aber ist er in großer Höhe geklettert. Der Wunsch, das zu erfahren, ist über die Jahre hinweg in ihm gewachsen. „Nepal und das Himalaya-Gebirge haben mich in letzter Zeit mehr und mehr fasziniert“, sagt der 46-Jährige. Mit dieser Expedition erfüllt er sich einen Traum.

1.800 Meter hohe Südwand: Unbezwungen und hochalpin
Das Ziel von Stefan Glowacz, David Göttler und Klaus Fengler ist der Gauri Shanka, konkret dessen unbezwungene Südwand. Die rund 1.800 Meter hohe Felsmauer führt auf den Südgipfel des Gauri Shanka (7.030 Meter). Die Informationen über das Gebiet sind spärlich. „Sie reichen nicht, um einen richtigen Schlachtplan zu entwickeln“, sagt der Profi-Kletterer. Nur wenige gute Fotos existieren von dieser Wand. Erkannt hat er beim Hineinzoomen nur, dass die Granitwand „extrem steil“ ist. Glowacz erwartet hochalpines Gelände – Schwierigkeitsgrad unbekannt.

Außergewöhnliches Team für außergewöhnliche Expedition
Bei Expeditionen wie dieser ist das Team entscheidend. Ohne seine hervorragenden Seilpartner „wären die vielen Erstbegehungen nicht möglich gewesen“, sagt der Profibergsteiger. Nach Nepal werden ihn Klaus Fengler und David Göttler begleiten. Fengler ist bereits seit sieben Jahren mit Glowacz unterwegs. Der Fotograf und erfahrene Bergsteiger war in Patagonien, auf Baffin Island und in Venezuela dabei. Seine Natur- und Kletteraufnahmen erscheinen in internationalen Magazinen. Auch die zwei Monate in Nepal wird der 47-Jährige in fesselnden Bildern festhalten.


Eine wichtige Rolle wird David Göttler spielen. Denn der 32-jährige Trainingspartner von Glowacz bringt ein hohes Maß an Erfahrung im Höhenbergsteigen mit. Als Kameramann war er mit Profi-Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner auf Expeditionen unterwegs; die beiden standen zusammen auf dem Broad Peak (8.047 Meter), Dhaulagiri (8.167 Meter) und Lohtse (8.516 Meter). Zudem begleitete er die 40-Jährige bei zwei K2-Begehungsversuchen, bei denen sie auf über 8.000 Metern umdrehen mussten. Am Gauri Shanka war er ebenfalls schon, wenn auch auf einer anderen Route: 2008 musste David Göttler auf 6.400 Metern vor dem Südgrat wegen zu gefährlicher Bedingungen aufgeben.

Neben dem richtigen Team kommt es auf weitere Faktoren an: „Ich muss mich nicht nur auf die Seilpartner verlassen können, sondern auch auf meine Ausrüstung“, sagt Stefan Glowacz. „Sichere Kleidung ist zwingend erforderlich auf einer Expedition, die von Unsicherheiten geprägt ist. Hier vertraue ich auf meine langjährigen Ausrüstungspartner GORE-TEX® und Marmot.“

Mönch gibt Erlaubnis
Über den Zustieg zum Gauri Shanka ist wenig bekannt. Die drei Bergsteiger verlassen auf ihrem Weg zum Einstieg bald die bekannte Trekking-Route und gehen in ein unerkundetes Seitental. Sie rechnen dort mit steilen Felsvorsprüngen und Wiesengelände. Auf ihrem Marsch werden sie von Trägern begleitet. Denn Glowacz will sich nach eigener Aussage „an die Gepflogenheiten des Landes halten“. Und diese sehen vor, Träger zu beschäftigen. Zu den Landessitten gehört darüber hinaus, den Lama im Kloster um Erlaubnis zu bitten, den für die hinduistische und buddhistische Bevölkerung heiligen Berg besteigen zu dürfen.

Eine völlig neue Erfahrung
Die Reise startet am 18. April in Kathmandu. Nach zwei Tagen werden Glowacz, Fengler und Göttler mit dem Bus nach Singate gebracht, wo der Fußmarsch beginnt. Nach einer Woche wollen die Kletterer an dem Platz auf knapp 5.000 Meter Höhe ankommen, wo sie ihr Basislager aufschlagen. Es folgt eine intensive, zwei- bis dreiwöchige Akklimatisationsphase, bevor der Erstbegehungsversuch gestartet wird.

Das Team rechnet mit vier bis sieben Tagen, um die Südwand des 7.030 Meter hohen Gauri Shanka im Alpinstil zu bezwingen. Zwei weitere Tage sind für den Abstieg geplant. Am 05. Juni kehren die drei Bergsteiger nach Hause zurück – Glowacz wird dann um eine völlig neue Erfahrung reicher sein. „Wenn diese positiv ist, wird das wohl nicht meine letzte Expedition auf einen hohen Berg gewesen sein“, kündigt er an.

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