Venezuela: Chávez kündigt Lohnerhöhung von 25% an

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Datum: 26. April 2011
Uhrzeit: 01:06 Uhr
Leserecho: 13 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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► Mindestlohn ab 01. September 2011 bei 248 Euro

Venezuelas Staatspräsident Hugo Chávez hat am Montag (25.) eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns um 25 Prozent von 1.224 auf 1.548 Bolívares Fuertes (rund 248 Euro) angekündigt.

„Ich freue mich zum 12. Mal in Folge eine Lohnerhöhung ankündigen zu dürfen. An alle Beschäftigen, Angestellten und Arbeiter: der Mindestlohn steigt ab dem 01. Mai um 25 Prozent“ so Chávez in einer landesweit im Radio und TV übertragenen Rede. Die Neuregelung tritt in allerdings in zwei Phasen in Kraft: zunächst werden die Löhne am 01. Mai um 15 Prozent angehoben, ab 01. September erfolgt eine weitere Erhöhung um 10 Prozent.

Die Massnahme betrifft rund 345.000 Angestellte und etwa 63.000 Arbeiter im öffentlichen Dienst, zudem 2 Millionen Rentner und Pensionäre, 98.000 Frauen im Sozialprogramm „Madres del Barrio“ sowie rund 1 Million Arbeiter mit Mindestlohn im Privatsektor.

Analysten sehen die Anpassung des gesetzlichen Mindestlohns als Reaktion auf die stetig steigende Inflation in dem sozialistischen Land. Zudem versuche der derzeitige Amtsinhaber mit der Anhebung bereits jetzt Stimmen für die im kommenden Jahr in Venezuela geplanten Präsidentschaftswahl zu sammeln.

Chávez ist seit 1998 im Amt und hatte bereits vor Kurzem angekündigt, nach seinen beiden Wiederwahlen 2000 und 2006 auch 2012 erneut für das höchste Staatsamt zu kandidieren.

Update: Wie Hugo Chávez einen Tag später korrigierte, werde die zweite Erhöhung im September auf Basis des im Mai erhöhten Mindestlohnes kalkuliert. Danach betrage der effektive Anstieg des gesetzlichen Mindestlohnes 26,5 Prozent.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    togo

    „Analysten sehen die Anpassung des gesetzlichen Mindestlohns als Reaktion auf die stetig steigende Inflation in dem sozialistischen Land. Zudem versuche der derzeitige Amtsinhaber mit der Anhebung bereits jetzt Stimmen für die im kommenden Jahr in Venezuela geplanten Präsidentschaftswahl zu sammeln. “

    „stetig steigende Inflation“ stimmt nicht. Die Inflation ist so hoch (wenn nicht sogar ein bisschen niedriger) als im letzten Jahr.

    „Zudem versuche der derzeitige Amtsinhaber mit der Anhebung bereits jetzt Stimmen für die im kommenden Jahr in Venezuela geplanten Präsidentschaftswahl zu sammeln“ auch nicht ganz korrekt.

    Es gibt fast jährlich eine Anhebung des Mindestlohns und die Wahlen sind erst im Dezember 2012. Höchstwahrscheinlich wird es auch am 1. Mai 2012 eine Anhebung geben…

    • 1.1
      roland-g

      ich wusste, dass Sie hier wieder viele „Anhänger“ finden werden
      mal eine kleine Anmerkung meinerseits
      Mindestlohn 2010 1.224 BsF entsprach beim aktuellen Umtauschkurs 2010 (2,6 BsF/$) 470$
      Mindestlohn 2011 1.548 BsF entspricht beim aktuellen Umtauschkurs 2011 (4,3 BsF/$) 360$
      ich benutze hier absichtlich die offiziellen Kurse; kann aber auch damit keine Erhöhung erkennen

      aber Sie werden sicher Licht in’s Dunkel bringen

      • 1.1.1
        Pituca

        Es geht um den Zusammenhang zwischen Lohnerhöhungen und Inflation. Dass unabhängig davon die Kaufkraft der Venezolaner sinkt, sowohl national als auch im internationalen Vergleich, steht außer Frage. Dies ist das traurige Resultat der unqualifizierten Inflationstreiberei der Regierung.

        Chávez hat sich schon vor Jahren zum Ziel gesetzt, den venezolanischen Mindestlohn über den eines U.S amerikanischen Arbeiters zu treiben, in U.S.$ gerechnet. Das wäre ja ein edles Ziel, wenn er es ehrlich meinte, anstatt lediglich mit falschen Zahlenspielen die Welt verblöden zu wollen. Unter Ansatz seines irrealen offiziellen Wechselkurses von früher hätte das nach ein paar Jahren Lohnerhöhungen auch funktioniert. Aber die unvermeidliche Abwertung vor 16 Monaten hat dies scheitern lassen. Und es wird nicht die letzte Abwertung gewesen sein.

        Mit Wunschdenken und staatlichen Verordnungen funktioniert nun mal die Finanzwelt nicht.Vielmehr verarmt der Mittelstand rapide, die Armen werden immer zahlreicher, und die Reichen bringen ihr Schäfchen ins Trockene, sei es im Ausland oder mittels eines roten Parteibuchs.

  2. 2
    der ausrufer

    bei preisspiralen von bis zu 100% auf gewisse produkte, ein kleiner trost. tatsache ist, auch für chavezlobhudler, die kaufkraft des volkes nimmt stetig ab. was sind heute schon 15% mehr lohn, wenn 1 kg mehl vor 1 jahr um die 4bsf und heute um die10 und mehr kostet? das sind doch die tatsachen und nicht diese statistiken der chavezschreibtischtäter.
    aber vielleicht ist weizenmehl auch ein luxusgut (ja für die armen).

  3. 3
    Angiven

    Es ist ja schon traurig genug,daß nur 1516000 Menschen in Arbeit sind,die
    dann schätzungsweise 6 Millionen Menschen ernähren müssen.1548 BsF
    entsprechen den tatsächlichen Kaufwert von 150.- € Die Inflation steigt hier nicht, sondern galoppiert in einer Geschwindigkeit,daß einem schwindlig
    wird.Ich lebe hier alleine und nicht in Saus und Braus und brauche im
    Monat mit sämtlichen Nebenkosten (Condominio,Strom,Telefon,Kabelfern-
    sehen,Internet und Steuern) kein Auto mindestens 500.-€ im Monat.
    Jetzt frage ich Sie Togo wie es geht mit 150.-€ hier zu leben und noch
    eine mehrköpfige Familie zu ernähren?Tatsache ist das alle Arbeitnehmer
    vor 3-5 Jahren für ihren Lohn viel mehr einkaufen konnten,als heute mit
    den lächerlichen Lohnerhöhungen zudem sich der Staat noch mehr verschuldet.Für Ratschläge und Sparvorschläge bin ich dankbar.
    Nur ein Beispiel: vor 3 Jahren 1kg Bananen (kein Luxusgut) 50 centimos-
    vor 1 Jahr 2-3 BsF und heute nicht mehr unter 6 BsF zu bekommen.
    Das ist für mich Inflation in Vollendung. Basta.

    • 3.1
      lagunita

      @angiven: ich gebe dir zu 1000000% recht! inflation in absoluter perfektion und vollendung. es ist wirklich schockierend, die preise steigen im wochentakt, ich weiß nicht wie einheimische familien mit mindestlohn hier leben können, „ohne kriminelle“ machenschaften.

  4. …..aber das ein 22jähriger deutscher torist an semana-santa in Chichivirichi von einem herumballernden freak erschossen wurde, wird nichts gesagt.
    zumindestens könnte hugo bei seinen dauerprädigungen im tv sein beileid aussprechen, …wieder ein torist erschossen, sinnlos . . .

  5. 5
    regina -g

    Boah , und wenn ich dann woanders lese :
    „Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat eine Erhöhung des Mindestlohns um 25 Prozent angekündigt. Die Aufstockung ist dank Supereinnahmen aus dem Ölgeschäft möglich. “
    Tatsache ist doch , dass die Lohnerhöhungen jährlich sind , und diese absolut nichts mit dem Ölgeschäft zu tun haben . Denn ein kleiner Geschäftsmann mit ein paar Angestellten MUSS diese Austockung ebenfalls zahlen . ( was hat der mit Öl zu tun ?! )
    Unterschied besteht nur darin : Ihn haben sie am A…. , wenn er es nicht zahlt , wobei einige Staatsbetriebe ihre Arbeiter schon seit einigen Monaten gar nicht erst bezahlt haben …..
    Und machen wir uns nichts vor – mit ca 150 €uro ( reeller Wert ) kann man nicht leben . Und in VE schon gar nicht !!!..

  6. 6
    Pituca

    Die regelmäßigen staatlich verordneten Lohnerhöhungen sind keine Anpassung an die Inflation, vielmehr sind sie deren Auslöser. Niemand käme von alleine auf die Idee, Preise jährlich um 30-40% zu erhöhen. Aber die Unternehmen können gar nicht anders, wenn sie die Löhne und anderen Kosten weiterhin zahlen wollen. Viele Unternehmer sind ratlos, können ihr Leistungsangebot nicht mehr aufrecht erhalten, ob der schwindenden Kaufkraft ihrer Kunden.

    Nur ein Beispiel: Vor 3 Jahren mußte man in meiner Stammkneipe oft 10-20 Minuten warten, bis ein Platz frei wurde, auch an einem Mittwoch oder Donnerstag. Heute kriegt man selbst am Wochenende immer einen freien Tisch. Sonntags bis Donnerstags ist die Kneipe leer. In anderen Lokalen ist es genauso. Das Land „kubaisiert“ und das in irrwitziger Geschwindigkeit.

  7. 7
    Angiven

    Die im öffentlichen Dienst und Rentner muß Chavez bezahlen.Und genau diese Menschen bekommen oft monatelang keinen Lohn.Die eine Million
    in der Privatwirtschaft müssen die Geschäftsleute mit Angestellten be-
    zahlen.Dann wird es prenzlig.Am 1.Mai 15 % Lohnerhöhung und Preissteigerung in den Mecados und Lokalen Restaurants 30 %.Irgendwie
    Komme ich nicht klar mit der Rechnung,oder wollen die Geschäftsleute
    selbst noch 15% einstreichen.Bitte um Aufklärung!

    • 7.1
      Pituca

      Ich verstehe nicht ganz den Grund für die unterschwellige Aggresivität gegen die Geschäftsleute. Wenn die ihre Löhne nicht pünktlich zahlen, schließt die zuständige Behörde deren Laden. Ist auch gut so.
      Der Staat hingegen kommt seinen selbst auferlegten Verpflichtungen nicht nach. Die Kusine meiner Frau z.B. ist Lehrerin. Ihre Gehaltszahlungen kamen stets 3-4 Monate zu spät. Aber sie hat ja Kredit bei der Bank, für 34% effektiven Jahreszins… Letzten Monat ist sie nach Spanien ausgewandert.

      60% aller Venezolaner sind arbeitslos oder Bujoneros (illegale aber tolerierte Straßenhändler). Sie zählen auch zu den Geschäftsleuten, welche die Preise erhöhen müssen, da sich alle ihre Kosten schlagartig um 20-30% erhöhen. Das gleiche gilt für Bäcker, Einzelhändler, Dienstleister, Gastronomie etc., also nicht unbedingt Großkapitalisten.

      Warum hier allerdings niemand einen Preis um 10-15% erhöht, sondern stets um Sprünge von 30-50%, ist mir unbegreiflich. Das scheint mittlerweile schon reine Gewohnheit zu sein, eine Art Inflationskultur, die nicht mehr auf kaufmännischer Kalkulation beruht. Man nimmt wohl lieber den nächsten staatlich verordneten Schock schon vorweg, um die Preise nicht so oft erhöhen zu müssen.

  8. 8
    Angiven

    Also ist Ihnen auch nicht klar ,warum die Preissteigungen in keinem Ver-
    hältnis zur Lohnerhöhung stehen.Ein Beispiel: Ein Kasten Bier wird um 2 Bs
    von der Brauerei teuerer. Das sind bei 36 Flaschen 18 Centimos,der Wirt
    erhöht aber minimum um 1BsF,dann hat er von 1Flasche 82 Centimos mehr.Rechnet man jetzt die 25% Lohnerhöhung ab,bei 2 Bedienern =41Cen.Bleiben den Wirt( Kneipe) immer noch 41 Centimos Gewinn pro Flasche,und dieses Spiel wiederholt sich jedesmal bei jeder Lohnerhöhung.
    So ergeht es mit allen Waren.Das ist für mich auch der Auslöser für die
    galoppierende Inflation.Über den Daumen gepeilt bringen die ganzen Lohnerhöhungen gar nichts,weil die Preise ums vielfache steigen.

    • 8.1
      Pituca

      Ich bin da völlig ihrer Meinung. Das Ganze ist kaufmännisch und volkswirtschaftlich betrachtet Schwachsinn.

      Nur hat der Wirt nichts davon, denn er ist ja nicht nur Täter, sondern auch selber Opfer der Inflation. Alle anderen machen es genauso. Also steigen auch seine geschäftlichen wie privaten Ausgaben im selben Maße, wie seine Mehreinnahmen. Da aber in der Summe die Kaufkraft seiner Kunden sinkt und deshalb immer weniger Gäste kommen, verdient er viel weniger als vorher und erhöht deshalb die Preise rasch noch mehr.

      Es stellt sich die Frage, was war der Auslöser der Inflation, die irrwitzigen Preiserhöhungen oder die Lohnerhöhungen? Nach meiner Beobachtung und Überzeugung sind es die Lohnerhöhungen, die in dieser Höhe und Geschwindigkeit sich nur ein Sozialist ausdenken kann. Darauf folgten Preisanpassungen, nicht umgekehrt. Dafür spricht, daß vor Chávez die Inflationsrate erheblich niedriger war, da sie von marktwirtschaftlichen Faktoren bestimmt wurde, nicht von Dekreten eines einzelnen Phantasten. Dass die vorherige Regierung auch nichts taugte und an Korruption kaum zu übertreffen war, ist ein anderes Kapitel.

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