Besuche aus Deutschland

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Datum: 30. Januar 2010
Uhrzeit: 08:12 Uhr
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Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Während dieser schlimmen Zeit, hatten wir zum Glück oft Besuch aus Deutschland von unseren Kindern und deren Freunden. Dies bedeutete uns sehr viel. Im Falle einer plötzlichen Deportierung war doch übergangsweise jemand da, um kurzfristig die Tiere zu versorgen und auf das Haus Acht zu geben.

Wir freuten uns jedes Mal sehr über die Besuche aus Deutschland. Konnte man sich doch wieder mal in der Heimatsprache unterhalten. Die jungen Leute hingegen genossen es, wenn sie am Abend von einer Strandtour zurück kamen und ein deftiges Essen von mir serviert wurde. Natürlich schätzten sie auch mein selbstgebackenes Brot. Das Brot, das man hier zu kaufen bekam, schmeckte ähnlich unserem Toastbrot. Nach einiger Zeit mochten wir es nicht mehr, und so fing ich an, regelmäßig selbst zu backen. Mit der Zeit probierte ich die seltsamsten Brotkreationen aus. Ich verwendete als Backzutaten Pomkins, eine Art Kürbis mit orangefarbenem Fruchtfleisch, Haferflocken und geschälte, angeröstete Pomkinkerne. Der Duft des frisch gebackenen Brotes zog unsere jungen Gäste stets wie magisch an, und oft genug wurde ein ganzer Laib Brot  bereits warm ohne jeglichen Belag oder einfach nur mit Butter verspeist.

Eine andere leckere Sache war die Brotfrucht. Diese Frucht hat die Größe eines Handballs mit grasgrüner, dicker Schale. Ich bereitete sie am liebsten zu wie Bratkartoffeln. Dazu für jeden eine Scheibe fangfrischen Kingfisch, und aus unserem Garten einen knackigen Salat. Dies war eines der Lieblingsessen unserer Gäste. Die Einheimischen brieten sich auch gerne solch eine Brotfrucht wenn sie im Dschungel waren. Sie machten dazu ein Feuer und legten die ganze  Frucht mit der Schale in die Glut. Mit ihrer Machete schälten sie die verkohlte Schale ab und aßen das weiße Fruchtfleisch.

Eines Morgens beim Versorgen der Pferde entdeckte mein Mann Joe auf unserem Grundstück eine Schlange. Da uns einer der Einheimischen versicherte, es handle sich um ein giftiges Exemplar wurde sie mit der Machete getötet. Wir warfen sie auf den großen Abfallhaufen am Ende unseres Grundstücks. Als wir am Abend unseren Besuchern davon erzählten, wollten natürlich alle diese Schlange sehen. Also gingen wir mit ihnen dort hin, um sie zu zeigen. Aber es war keine Schlange mehr da! Nur noch ein sauber abgenagtes Schlangenskelett. Dafür wimmelte es von roten Ameisen. So viel zur Entsorgung. Aber die Jungs sollten vor ihrer Abreise noch eine Schlange zu sehen bekommen. In unserem angebauten Geräteschuppen machte es sich nämlich immer wieder eine junge Boa bequem. Es war dort dunkel und auch angenehm kühl. So fanden die Jungs sie, als sie Werkzeug aus dem Schuppen holen wollten. Die Schlange hatte sich wie eine Schneckennudel zusammengerollt. Nachdem wir sie mit einem Stock vorsichtig ins Gras gelegt hatten, wollten die Hunde bellend auf sie losgehen. Es war erstaunlich, wie diese kleine Schlange sich senkrecht aufrichtete und in Angriffstellung zischelte.

Und unsere Urlauber sollten noch mehr erleben in ihren Ferien. Eines Morgens hörten wir laute Schreie aus einem der Gästezimmer. Einer der Jungs hatte nach dem Waschen sein Handtuch vom Haken genommen, um sich das Gesicht abzutrocknen. Eine handtellergroße, fette Spinne hatte im Handtuch gesessen und rannte ihm nun übers Gesicht. Als er voller Panik das Handtuch samt Spinne aus dem Fenster werfen wollte, wurde er von den anderen gestoppt, denn sie wollten unbedingt vorher noch ein Foto von der „Monsterspinne“ machen. Mithilfe derartiger Fotos konnte man zu Hause tolle Abenteuergeschichten zum Besten geben.

Natürlich wollten die jungen Leute am Wochenende unbedingt zur „Sunday School“ nach Bucco fahren. Darauf hatten sie sich bereits die ganze Woche gefreut. Hier trafen sich jeden Sonntagabend Einheimische und Touristen, um zusammen zu tanzen, essen, trinken oder einfach um zu relaxen. Eine ganze Straße direkt am Meer war die Kulisse dieses nächtlichen Spektakels. Am frühen Abend traten Steelbands auf, später ertönte aus überdimensionalen Lautsprechern Reggae-Musik. Überall wurde karibische oder kreolische Kost angeboten. Und ganz wichtig war der kleine Shop direkt am Meer, in dem die ganze Nacht eiskaltes Bier, Rum und Cola verkauft wurde. Meist dachte man erst ans Heimgehen wenn die Sonne aufging. Alkoholkontrollen gab es auf der Insel nicht, weshalb auch jeder mit seinem Auto nach Hause fuhr, egal wie viel er getrunken hatte. Keiner regte sich darüber auf, denn jeder wusste Bescheid.

Hauptsache man fuhr so gemütlich, dass es keine Unfälle gab.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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