Kolumbien: Terroristen zerstören den Traum eines Kindes

Johan Steven Martínez

Datum: 27. November 2011
Uhrzeit: 06:55 Uhr
Ressorts: Kolumbien, Panorama
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Autor: Redaktion
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► Junge durfte seinen Vater nicht kennenlernen

Rund 13 Jahre nach ihrer Entführung sind vier Geiseln der linksgerichteten kolumbianischen Terrororganisation FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbien) ermordet aufgefunden worden. Die sich als marxistisch bezeichnende kolumbianische Guerillabewegung, die schon längst jeglichen Rückhalt bei der Bevölkerung verloren hat, zerstörte mit dem grausamen Verbrechen auch den Traum des 13-jährigen Johan Steven Martínez.

Vor zwei Jahren erregte der kleine Kolumbianer internationales Aufsehen. In der Kirche des Städtchens Ospina im Süden Kolumbiens sammelte Johan Kraft für seinen öffentlichen Kampf um die Freiheit seines am 21. Dezember 1997 von den Farc-Rebellen entführten Vaters José Libio Martínez. Seinen „Papito“ hatte er noch nie gesehen, Johan kam wenige Wochen nach dessen Entführung auf die Welt.

Der Junge hielt vor seinem zweitägigen Marsch in die über 100 Kilometer entfernte südwestliche Provinzhauptstadt Pasto vor einer großen Menschenmenge eine bewegende Ansprache. „Ich unternehme diesen Marsch für die Freiheit meines Vaters. Die Schmerzen die ich empfinde, sind nichts im Vergleich zu denen, die mein Vater aushalten muss. Ich wünsche mir, dass er zu mir zurückkommt und wir die schönen Augenblicke des Lebens zusammen erleben können. Ich schreiben Ihnen und bitte Sie um die Freilassung meines Vaters“, las Johan mit zitternder Stimme von seinem Blatt ab. Als er in Tränen ausbrach, war die Menschenmenge auf dem zentralen Platz der Stadt erschüttert. Bereits im Jahr 2008 hatte Johan einen Appell an die Geiselnehmer gerichtet. Während eines Konzerts des kolumbianischen Sängers Juanes bat er um die Freilassung seines Vaters und wiederholte seine Bitte nochmals am 20. Januar 2011.

Die von Kolumbien, Perú, USA, Kanada und den 27 EU-Mitgliedsstaaten als terroristische Organisation eingestuften Rebellen waren allerdings taub für seine Schreie. Die vier Geiseln, drei Polizisten und ein Soldat, waren laut Präsident Juan Manuel Santos am Samstagmorgen (26.) im Departemento Caquetá (Süden) grausam ermordet worden. Drei der Leichen hätten Einschusslöcher im Kopf aufgewiesen, einem der Männer sei zwei Mal in den Rücken geschossen worden.

„Mein Sohn war nach Erhalt der Nachricht vom Tode seines Vaters am Boden zerstört und weinte hemmungslos. Er hoffte bis zuletzt, dass sich die Informationen über die Ermordung als falsch erwiesen“, teilte seine Mutter Claudia Tulcánin einem Interview mit.

Bereits im Vorfeld hatte die kolumbianische Regierung eine neue Strategie im Kampf gegen die FARC bekannt geben. Laut Quellen aus dem Verteidigungsministerium in Bogotá stellt die Regierung für die Forcierung ihrer Bemühungen 3,8 Milliarden US-Dollar bereit. “Den Terroristen wird bewusst werden, dass wir überall sind. Das kolumbianische Volk lässt sich nicht täuschen und die Regierung wird das bestehende Problem nicht aussitzen. Ich wiederhole noch einmal: Für Sie gibt es nur das Gefängnis, oder ein Grab”, erklärte Santos.

Die ehemalige Rebellenorganisation, die 1964 zum Kampf für soziale Gerechtigkeit und einer Landreform aufrief, hat auch heute noch rund 700 Geiseln in ihrer Gewalt. Politische Unterstützung erfährt die FARC derzeit eigentlich nur noch aus Venezuela und Ecuador. Venezuelas Staatspräsident Hugo Chávez wird zudem verdächtigt, die von der EU als Terrororganisation eingestufte Bewegung auch finanziell zu unterstützen und ihnen auf venezolanischem Territorium Unterschlupf zu gewähren. Viele kleinere Gruppen der Guerillas sind inzwischen fast ausschließlich in einen Drogenkrieg mit dem Militär verwickelt. Mit dem Schmuggel von Kokain beschaffen sie sich Waffen, die dann vornehmlich zur Verteidigung ihrer geheimen Lager und Produktionsstätten im Regenwald Amazoniens Verwendung finden.

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