Mercosur sperrt Häfen für Schiffe von Falkland-Inseln

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Datum: 21. Dezember 2011
Uhrzeit: 11:44 Uhr
Leserecho: 13 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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► Großbritannien befindet Entwicklung "sehr Besorgnis erregend"

Die Staatspräsidenten der Handelsunion Mercosur haben am Dienstag bei ihrem Gipfeltreffen in Montevideo einstimmig beschlossen, Schiffen unter der Flagge der Falklandinseln den Zugang zu ihren Häfen zu verbieten. Dies gelte unabhängig davon, ob sich die Schiffe im Transit befänden oder direkt von dem im Atlantik liegenden Archipel kommen. Betroffen sind damit derzeit sämtliche Häfen in Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay.

„Der Mercosur-Rat (…) hat gemeinsam in Hinblick auf die die Flagge der Falkland-Inseln beschlossen, dass diese (Schiffe) nicht die Häfen des Mercosur anlaufen dürfen und sie in keinem Hafen des Mercosur gestattet sind“ so der uruguayische Staatspräsident José Mujica. Mujica hatte sich bereits in der vergangenen Woche in dieser Frage deutlich positioniert. Das Verbot sei eine politische Position, mit welcher Uruguay seine Unterstützung für den Anspruch Argentiniens auf die 400 Kilometer vor deren Südküste gelegenen Inseln ausdrücken wolle.

Da den Schiffen das Befahren von argentinischen Gewässern untersagt ist, nutzten sie bislang meist die Häfen Uruguays zu Be- und Entladen. Die argentinische Staatspräsidentin Cristina Kirchner begrüßte die nun getroffene Entscheidung. „Ich möchte mich ganz besonders für der Unterstützung beim Thema Falkland bedanken. Die Falkland-Inseln sind nicht nur eine argentinische Angelegenheit, sondern eine weltweite. Denn bei den Falkland-Inseln geht es um Ölvorkommen und Fischerei“. Bei vielen Schiffen, die mit der Flagge Falklands im Südatlantik unterwegs sind, handelt es sich um reguläre Fischerboote aus Spanien oder Norwegen, die so ihre bereits ausgeschöpften Fangquoten umgehen.

Großbritannien hat auf die Ankündigung eines unverzüglich reagiert. Eine Sprecherin des britischen Außenministeriums erklärte am Mittwoch, es gebe „keine Rechtfertigung“ für ein solches Vorgehen. Die Versuche Argentiniens, die Bewohner der Falklands zu isolieren, sei „sehr Besorgnis erregend“. Schon in der vergangenen Woche hatte die von Uruguay getroffene Entscheidung einen Anruf der britischen Regierung beim Botschafter Uruguays in London zur Folge gehabt.

Argentinien und Großbritannien streiten bereits seit 1833 um die „Islas Malvinas“. 1982 endete der Streit im Falkland-Krieg, ausgelöst durch eine Invasion der argentinischen Militärjunta. Nach einem kurzen bewaffneten Konflikt, bei dem 255 Briten und 648 Argentinier getötet wurden, übernahm das Vereinigte Königreich wieder die Kontrolle über die Inseln. Staatspräsidentin Kirchner konnte sich mit ihrem Vorschlag, auch Schiffen unter britischer Flagge das Anlaufen der Häfen zu untersagen, im Rahmen des Mercosur-Gipfels jedoch nicht durchsetzen.

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  1. 1
    Birte Röder

    Dazu kann ich aus Deutschland nur sagen: Sehr gut und weiter so.

  2. 2
    Martin Bauer

    Die Falklandinseln waren bei ihrer Entdeckung durch englische Seefahrer unbesiedelt. Es gab also nicht einmal Ureinwohner, die man entrechtet oder ausgerottet hat, wie in Argentinien geschehen.

    Erste Siedler waren Franzosen aus dem Raum St. Malo. Frankreich zeigte kein Interesse an den Inseln und überlies sie Spanien (ohne vorher jemals einen Anspruch gegenüber den Engländern manifestiert zu haben), und auch die Spanier stellten den Unterhalt der vermeintlichen Kolonie bereits 1811 ein. Die Inseln bei der Unabhängigkeit Argentiniens 1816 automatisch dessen Staatsgebiet zuzurechnen, war ein verwegener Akt ohne jede erkennbare Rechtfertigung, keineswegs legaler als die Errichtung eines britischen Flottenstützpunktes 1833, mit dem Gross Britannien seine originären und kaum anfechtbaren Ansprüche behauptete.

    Der in 1982 von der offensichtlich geistig unzurechnungsfähigen argentinischen Militärjunta losgebrochene Falklandkrieg kam zu dem einzig denkbaren Ergebnis, wenn man zum Denken fähig ist. Diese Schwachsinnsaktion kostete rund 1.000 Menschen das Leben, für Nichts und wieder Nichts.

    Nun aber wird im Seegebiet um die Inseln Erdöl vermutet, und schon stimmt die rosarote Präsidentin Kirchner mit einem Chor patriotischer Südamerikaner in den Gesang zur „Befreiung“ der Bevölkerung einer Inselgruppe mitten im Atlantik, die fast nur aus Briten und Bretonen besteht und die weder geografisch, historisch, kulturell noch politisch jemals zu Südamerika gehörte.

    Idioten aller Länder vereinigt euch und träumt weiter!

  3. 3
    Silvia W

    1982 wurde auf den Falklandinseln eine Volksbefragung bezueglich dem Wunsch der Zugehoerigkeit durchgefuehrt.
    Die Insolaner entschieden sich fuer:England!!

    Obwohl die Inseln geographisch zu Argentinien gehoeren,sollte man den Wunsch der Falklaender nicht einfach ignorieren!!

    Wurde nicht auch das Elsass befragt,ob es zu DLand oder France gehoeren wolle—???

    • 3.1
      Martin Bauer

      Die geographische Zugehörigkeit vermag ich auch nicht zu erkennen. Die Inseln liegen nicht auf dem der Küste vorgelagerten Festlandschelf, auch nicht annhernd in der Nähe der argentinischen Hoheitsgewässer, sondern rund 1.000km von Südamerika entfernt im offenen Ozean. Deshalb sind sie meiner Ansicht nach einem Kontinent genauso wenig zuzuordnen, wie Hawaii oder Madeira.

  4. 4
    Silvia W

    Jou–sollte:Insulaner heissen!!
    Im Hebrew sind das die gleichen Buchstaben…–Hatte mich „verdibbt“..

  5. 5
    Silvia W

    Also,zu GB gehoeren sie geographisch auch nicht….
    Aber man sollte deren Entscheidung laut Volksbefragung respektieren.
    Sie wollen nun mal zu England gehoeren–und:fertig!!

    Dass die Kirchner jetzt einen Oelriecher gekriegt hat,unterstreicht ja nur ihr raffgieriges Gehabe in der Vergangenheit.Die Mercosur-Laender jetzt unter Druck zu setzen–pardon!!–das Thema zu eroeffnen und Meinungen zu [ueber]hoeren – zeigt ja wohl langsam ,wer in dieser Region das Sagen hat—oder irre ich mich??[Ich wuerde mich gerne irren!!!!]

    • 5.1
      Martin Bauer

      Klar, England hat Vieles unter seiner Fuchtel, das ihnen geographisch nicht zuzuordnen ist. Zumeist zu Unrecht besetzt. Das fängt mit Nordirland an. Aber gerade die Falklands waren nun wirklich frei und unbewohnt, als die Engländer sie fanden. In Argentinien wusste man nicht mal, dass sie existieren und wohl auch in keinem anderen Land.

      Das mit der Volksbefragung wusste ich übrigens nicht. Das ist selbstverständlich die beste Lösung.

  6. Einstellung finde ich gut, aber Paraguay hat keinen Hafen, liegt im Landesinneren.

  7. 7
    Ronnie Schneider

    Martin, deine Argumente sind dieselben, die es schon seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten den schlaueren und hauptsächlich stärkeren der Welt ermöglicht, alles für sich in Anspruch zu nehmen, was einen Wert hat. NIEMALS haben die Argentinier behauptet, sie wollen irgendwelche „Bevölkerung befreien“. Jeder weiß, die „Kolonisierung“ der Inseln ist genauso entstanden wie beim Bau der neuen Siedlungen in den palästinensischen Gebieten durch Israel: Unter Protest der rechtmäßigen Besitzer der Region, die einfach militärisch nichts gegen die Übermacht der Siedler tun können. Dass die Argentinier mal unter einer Diktatur waren, die alles falsch gemacht hat, rechtfertigt keinerlei den jetzigen Status Quo, denn Argentinien ist nun eine Demokratie, und mit oder ohne Populismus ist der Wunsch, die Inseln wieder zu haben, eine historische Angelegenheit des argentinischen Volkes. Die Inseln wurden einfach während eines Macht-Vakuums in der Region von den Engländern annektiert, und seitdem kontrolliert. Das dürfte die Welt nicht akzeptieren. Dass sie Engländer auf die Insel als ein schlauer Schachzug gesetzt haben, dürfte ihnen in einer gerechten Welt keinen Vorteil bringen. Außerdem wollen die Argentinier niemanden vertreiben. Den heutigen Anwohnern wird von ihnen versprochen, es ändert sich in ihrem Leben gar nichts. Am Gegenteil: Das Lebensunterhalt und alles anderes wird sogar durch die Nähe an den „Besitzern“ einfacher und günstiger. Und übrigens … die Länder in der Region bieten sowieso eine viel glänzenderen Zukunft an die heutigen Kinder der Inseln als ein marodierendes UK und Europa.

    • 7.1
      Martin Bauer

      Sorry Ronnie, aber die Tatsachen zu ignorieren oder sie zu verdrehen, ändert sie nicht.

      Noch mal: Die Falkland Inseln sind geografisch keinem Kontinent zugehörig. Argentinien hat keinen „automatischen“ Anspruch darauf, wie etwa Deutschland, Holland oder Dänemark auf seine jeweiligen Nordseeinseln.

      Niemand wurde durch die Engländer von den Inselns vertrieben, entrechtet oder enteignet, weil niemand sonst von der Existenz dieser Inseln überhaupt Kenntnis hatte. Warum also sollte eine Seefahrer Nation zu Entdeckerzeit nicht die eigene Flagge dort hissen? Es gab niemanden, den dies hätte stören können. England fand die Falklandinseln völlig unbesiedelt (1582 Endeckung, 1690 erste Landung). Damals war Argentinien noch von den Inkas besiedelt und die Spanier begannen gerade erst damit, sich dort breit zu machen. Beide wussten nichts von den Inseln.

      Dagegen war die Zurechnung der Fakllands zum argentinischen Staatsgebiet Jahrhunderte später, nämlich in 1816, ein unverschämter Akt der Willkür ohne rechtliche Grundlage. Die Engländer haben darauf angemessen reagiert. Gut so!

  8. 8
    Edmund Weber

    Also, das Ganze ist rein eine Geldfrage und ob England das Inselchen verscherbeln will oder eher eine geostrategische Richtung verfolgt.

    Ohne die tollen historischen Kenntnisse meiner Vorkommentatoren meine ich dass die Steinhaufen eher den Engländern gehören sollten.

  9. 9
    ToMiGra

    Die Argentinier sollen erst mal ihre Hausaufgaben in Geschichtsunterricht machen bevor sie etwas fordern was sie nie wirklich besaßen, denn selbst in den Jahren von 1820-33 waren dort scheinbar nur ein paar US-Amerikaner aber keine Argentinier, zumal Argentinien damals noch kurz hinter „Malos“ Aires aufgehört und der Süden fast ausschließlich den Indigenen gehört hatte.
    Dann müssten die arroganten Gauchos aber zugeben, dass sie weder politisch, noch geologisch, noch geographisch und schon gar nicht moralisch Anspruch auf die Falklands haben.
    Würden sie die Ansprüche, die sie immer gerne an andere stellen an sich selbst anlegen, dann müssten sie zuerst mal ganz Patagonien den Mapuches zurückgeben und diese könnten evtl. Ansprüche auf die Inseln stellen.
    Aber es geht der argentinischen Feudal-Oligarchie eh nur darum den eigenen (nicht den nationalen!) Geldbeutel mit den mutmaßlichen Rohstoffeinnahmen zu füllen.
    Das Land ist sozial-gesellschaftlich, moralisch und industriell so verrottet und daher sucht die linksfaschistische CFK eben ein willkommenes Ventil und die Falklands bieten sich an, da hier quasi jeder einen irrationalen Nationalismus raushängt, der sich jedoch keineswegs in wahrer Heimatliebe widerspiegelt, denn Gemeinsinn bzw. Einsatz für das Gemeinwohl und Liebe zum Land, ganz speziell im Sinne von Umweltschutz gibt es nur von ganz wenigen – und diese scheren sich nicht um diese Inseln.
    Der argentinische Regisseur Adolfo Aristarain lässt es in seinem Film „Martin (Hache)“ 1997 ganz klar und eindeutig sagen: „Pero Argentina es otra cosa, no es un país, es una trampa que alguien inventó, algo como la zanahoria del burro. […]. La trampa es que te hacen creer que puede cambiar, lo sentís cerca, ves que es posible, que no es una utopía y ya… mañana … y siempre te cagan.”
    Asi es – muy lamentablemente …
    Schöne Grüße aus Sudaca von einem der sich familiär und geschäftlich von der ach so netten, aber komplett heuchlerischen Fassade der hiesigen Mentalität hat täuschen lassen und es jetzt ausbaden muss.

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