Kinder des Mondes oder Enkelkinder der Sonne: Panama und seine Albinos

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Auf den Inseln vor Panama gelten Menschen mit Albinismus als heilig (Foto: Screenshot YouTube)
Datum: 15. Juni 2015
Uhrzeit: 12:29 Uhr
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In einigen Ländern wie Tansania werden an Albinismus leidende Menschen gejagt und getötet und gelten als Symbole für Pech oder Hexerei. Im Gegensatz dazu behandelt die indigene Ethnie der Kuna an der nordöstlichen Atlantikküste Panamas ihre unter einer angeborenen Störung in der Biosynthese der Melanine leidenden Kinder mit Liebe und Respekt und bezeichnet sie als Kinder des Mondes und Enkelkinder der Sonne. Nach der lokalen Legende wurden die ersten Menschen mit Albinismus von ihrem Gott Baba oder Bab Dummat (Mago), auch bekannt als Vater der Sonne, auf die Erde geschickt. Ihre Nachkommen sind deshalb Kinder des Mondes oder Enkelkinder der Sonne. Dieselbe Sonne, die von den Ureinwohnern verehrt wird, ist jedoch einer der größten Feinde für die Bevölkerungsgruppe.

Über 1.000 Kunas leben in den Bergen der Bayano Region am Fluss Chepo. Die meisten jedoch entlang des etwa 200 Kilometer langen Küstenstreifens, der sich von der nahe der kolumbianischen Grenze gelegenen Siedlung Armila bis zum westlichen Mandinga erstreckt. Die Zahl der hier lebenden Kunas beträgt etwa 30.000. Außerdem gibt es noch einige kleine Siedlungen im kolumbianischen Regenwald entlang des Golfs von Urabá. Der große Teil der Bevölkerung von Guna Yala ist auf etwa 50 der dem Küstenstreifen vorgelagerten 365 Koralleninseln und 11 Siedlungen im Regenwald des Festlandes angesiedelt. Experten schätzen ihre Gesamtzahl auf etwa 80.000 und gehen davon aus, dass Hunderte von ihnen an Albinismus leiden.

Auf den Inseln vor Panama gelten Menschen mit Albinismus als heilig. Obwohl es keine Volkszählung gibt geht Jeambrun Pascale, Gründer der Organisation „SOS Albino“ davon aus, dass eines von 150 Kindern der Guna ein Albino ist und die Gesamtrate bei rund 17.000 liegt. „Unsere Vorfahren sagten, diese Kinder sind ein Segen und haben einen besonderen Platz im Himmel“, erklärt Yira Boyd, Mutter der sechsjährigen an Albinismus leidenden Delyane Avila. Dies war allerdings nicht immer so. Als die Region im späten 19. Jahrhundert von den Spaniern besiedelt wurde, wurde die betroffene und fremd aussehende Personengruppe von den „europäischen Herrscher“ massakriert.

Die größte Gefahr für ihr Kind geht von der tropische Sonne aus. Mehr als die Hälfte in der Region lebenden Albinos leidet unter irgendeiner Form von Hautkrebs. José Jons, ein auf der Insel Ustupu lebender Arzt, spricht von einem hohen Prozentsatz, verglichen mit der Häufigkeit von weniger als einem Prozent der Weltbevölkerung (Zahlen der Weltgesundheitsorganisation). Obwohl das moderne medizinische Wissen über die Krankheit den Archipel inzwischen erreicht hat, haben sich die gemeldeten Fälle von Hautkrebs laut dem „Instituto Oncológico Nacional en Ciudad de Panamá/Rosa España erhöht. Gleichzeitig hat die Zahl der Todesfälle durch Hautkrebs bei älteren Albinos zugenommen.

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