Drama in der Karibik: Flucht vor der Diktatur kostet neun Kubanern das Leben

kuba

Nachdem Sadik die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes alarmiert hatte, konnten die Kubaner aus ihrer misslichen Lage gerettet werden (Screenshot TV)
Datum: 30. März 2016
Uhrzeit: 18:54 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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Der Brasilianer George Sadok wird eine Kreuzfahrt von Mexiko nach Florida nie mehr vergessen. In der Nacht wurde er zusammen mit seiner Frau und dem fünfjährigen Sohn durch gellende Schreie geweckt. Als die Familie ihre Außenkabine auf der „Brilliance of the Seas“ (Royal Caribbean) verließ, wollten sie kaum ihren Augen trauen. Ein behelfsmäßiges Boot von neun Metern Länge trieb nur wenige Meter vom Rumpf des Schiffes entfernt, an Bord befanden sich 18 verzweifelte und laut um Hilfe schreiende Menschen. Nachdem Sadik die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes alarmiert hatte, konnten die Kubaner aus ihrer misslichen Lage gerettet werden.

Vor 22 Tagen hatten sie ihr kommunistisches Heimatland verlassen und wollten die Küste der Vereinigten Staaten erreichen. Neun Flüchtlinge starben und wurden von den Überlebenden ins Wasser geworfen. „Die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes hatte große Mühe, die Kubaner waren bei schwacher Gesundheit. Sie hatten auf ihrem Boot kein Wasser und tranken deshalb ihren eigenen Urin“, so Sadok in einem Interview. Die Rettung fand am 18. März westlich von Marco Island, South Island, Florida, statt – nur drei Tage vor dem historischen Besuch von Präsident Barack Obama auf Kuba.

Kubanische Migranten, die US-Territorium betreten, werden seit dem Cuban Adjustment Act 1966 grundsätzlich als politische Flüchtlinge behandelt. Nach einem Mindestaufenthalt von einem Jahr in den USA können kubanische Einwanderer eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung beantragen (Legal Permanent Residency, LPR). Ein bilaterales Abkommen von 1995 zwischen Washington und Havanna sieht allerdings vor, dass auf hoher See aufgegriffene Kubaner von der US-Küstenwache nach Kuba zurückgeschickt und nicht mehr als Flüchtlinge behandelt werden (sogenannte „wet foot/dry foot“-Politik).

Nach dem Besuch von Obama hatte Alt-Kommunist Fidel Castro systembedingt gewettert. „Mein bescheidener Vorschlag ist, dass er nachdenkt und nicht versucht, Theorien über die kubanische Politik auszuarbeiten“. Seine Version darüber, weshalb immer mehr Kubaner von der „paradiesischen“ Karibikinsel flüchten, teilte der Greis und Revolutionsführer a. D nicht mit.

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