Die Macht der Gefühle

sentimentos-small

Datum: 15. Juni 2010
Uhrzeit: 22:10 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Schon Pestalozzi hat die Dreiheit „Kopf, Herz und Hand“ erkannt und relativiert, die drei gehören unweigerlich zusammen: Denken, Fühlen und Können oder Ausführen sind untrennbar, sonst entsteht gar nichts. Und dass der Mensch das Herz als Sinnbild und Sitz der Gefühle wählte, ist natürlich kein Zufall, auch wenn man später die Gefühlswelt in eine bestimmte Hirngegend verschob. Während man die kognitiven und manuellen Aktivitäten weitgehend steuern kann, ist das für affektive Regungen nicht möglich. Die werden einfach erzeugt, als Folge von Sinneseindrücken. Man wird von Gefühlen einfach übermannt, deshalb müsste man eher von der Ohnmacht gegen Gefühle sprechen. Lachen und Weinen kommen ohne jegliches Dazutun, und sie vorsätzlich zu vermeiden fällt oft schwer.

„Unparteiisch“ existiert nur in der Theorie. Ein pädagogischer Autor aus meiner Lernzeit hat geschrieben, ein Lehrer der behaupte, alle Kinder gleich gern zu haben, sei ein Lügner, oder er hätte überhaupt keine Kinder gern. Zu- und Abneigung sind kaum begründet- und noch weniger beherrschbar. Tränen kommen eben, wenn es traurig, Schweißperlen, wenn es heiß ist. Da hilft kein „Gefühlsmanagement“, wie man so schön theoretisch meinen könnte.

Jegliche Art von Reizen können angenehme oder unangenehme Gefühle erzeugen, auch Farb- oder Schallereignisse. Selbst ein Stück Musik kann einen zum Lachen, Schmunzeln oder Weinen bringen, zusammenzucken lassen oder in rhythmische Bewegungen versetzen. Wenn sich Sinnesreize noch mit einem überstandenen, besonders eindrücklichen Erlebnis verbinden, folgen entsprechende Gefühlsausbrüche fast unweigerlich. Ich selbst war während Kriegszeiten aufgewachsen, und da bedeutete Militärmusik jeweils Abschied nehmen vom Vater unter Weinen der Mutter, denn man wusste ja nicht, wann und ob er überhaupt wieder kommt. So muss ich Weingefühle heute noch zurückhalten, wenn kriegerische Blechmusik ertönt.

Ähnliches gilt von Schiffssirenen, Alarmsirenen, Höhlenerlebnissen, Beerdigungsmusik, Erdbebentraumata und vielem mehr. All das hilft verstehen, dass wir eben zum Glück doch noch keine Maschinen sind, auch wenn uns die heutigen Computer das glauben machen möchten. Selbst moderne Medien können Gefühle auslösen, man denke nur an Fussballübertragungen oder Openairfestivals. Sogar Computerspiele und Ähnliches führen unsere Gefühlswelt glatt an der Nase herum.

Anzeige
wandere aus, solange es noch geht

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie jetzt Fan von agência latinapress! Oder abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und lassen sich täglich aktuell per Email informieren!

Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

© 2009 - 2016 agência latinapress News & Media. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden.

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Leider kein Kommentar vorhanden!

Diese News ist älter als 14 Tage und kann nicht mehr kommentiert werden!