Weihnachten in Santiago de Cuba

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Datum: 23. Dezember 2009
Uhrzeit: 18:56 Uhr
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Karina fiebert ihrem großen Tag entgegen. Am Heiligenabend darf sie beim Kindergottesdienst in ihrer Gemeinde die Maria spielen. Die 13-Jährige ist ausgeregt und stolz zu gleich darauf, dass ausgerechnet sie der Pfarrer ausgesucht hat. Natürlich möchte sie später einmal Schauspielerin werden, aber jetzt muss sie sich erst einmal beweisen. Karina und ihre Eltern zählen zu jenen Kubanern, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz katholischen Glauben bekennen, regelmäßig die Gottesdienste besuchen und sich in der Gemeinde engagieren. Gleichzeitig ist das Mädchen auch bei den Pionieren aktiv. 70 Prozent der elf Millionen Kubaner gelten als katholisch, aber die Zahl der praktizierenden Katholikenist viel geringer. So sind die vielen katholischen Kirchen meistens leer, während die überall neu entstehenden evangelisch-freikirchlichen Gemeinden wie die Baptisten. Am Abend des 24.Dezembers ist aber alles anders. Schon bei der Kindermesse ist die Kathedrale von Santiago de Cuba so gefüllt, dass nur noch mit Mühe ein Sitzplatz ergattern ist. Kurz vor Beginn der Mitternachtsmesse füllen sich auch die Stehplätze. Ähnlich wie in Deutschland gehört Weihnachten ein Kirchenbesuch zum guten Ton.

Weihnachtlich geputzt sind die Geschäfte schon seit Wochen. In den Foyers der Touristenhotels stehen riesige, bunt geschmückte Tannenbäume aus Kunststoff. Auch die meisten Devisengeschäfte sind weihnachtlich geschmückt. Teilweise konkurrieren in den Auslagen sogar Revolutionsplakate mit den Bildern von Fidel und Rául Castro mit Christbäumen. Das Weihnachtsfest in Kuba ist wieder erlaubt, der 25. Dezember sogar gesetzlicher Feiertag. Das haben die Kubaner dem polnischen Papst zu verdanken. Denn zwischen 1969 und 1997 gab es offiziell kein Weihnachtsfest auf der sozialistischen Insel. Fidel Castro, obwohl selbst der Sohn eines katholisch spanischen Auswanderers, schaffte vor 40 Jahren die Weihnachtsferien ab. Die Menschen sollten lieber die Ernteschlacht im Zuckerrohr schlagen, als sich bei einem christliches Fest vergnügen. Knapp drei Jahrzehnte später lenkt die kubanische Führung ein. Der Grund war eine fünftägige Pilgerreise von Papst Johannes Paul II. Ende Januar 1998 nach Kuba. Diese erzielte weltweite Aufmerksamkeit, auch weil der kubanische Staatschef statt in der üblichen olivgrünen Uniform im zivilen Anzug erschien. Der Papst durfte in Havanna, Santa Clara, Camaguey und Santiago de Cuba predigen und die Kubaner seit dem wieder Weihnachten feiern.

Kleine Weihnachtsbäume heute stehen in nahezu allen „besseren“ Wohnungen. Meistens schmücken sie den Saal, in den auch Passanten einen Blick werfen können. Insbesondere die kleinen Kinder staunen, wenn das Familienoberhaupt am Morgen des 23. Januars beginnt, den Christbaum und die Krippe aufzustellen und zu schmücken. Die Kleinen wissen, dass sie die Menschen- und Tierfiguren nur bestaunen, nicht aber anfassen oder gar mit ihnen spielen dürfen. Dafür sind sie viel zu kostbar und unwiederbringlich. Stammt der Schmuck doch oft noch aus vorrevolutionären Zeiten und wurde vererbt. Tisch-Weihnachtsbäume gibt es dagegen in den Devisengeschäften zu kaufen. Und wer über Dollar- oder Euro-Quellen verfügt, hat sich auch einen angeschafft. In diesen Familien gibt es am 24. oder 25. Dezember auch das traditionelle Weihnachtsessen mit gebratenem Schwein, schwarzen und weißen Bohnen sowie frittierten Bananen. Dazu wird selbst gemachter Wein, Eierlikör und Bier getrunken. Da sich viele diesen Festtagsschmaus nicht leisten können und durch die Jahrzehnte, in denen Weihnachten nicht gefeiert werden durfte, die Tradition entfremdet wurden, wird lieber auf Silvester gewartet. Dann legen Großfamilien zusammen, um das neue Jahr gemeinsam zu begrüßen und sich Glück und Wohlstand zu wünschen.

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