Inselleben in der Karibik-Paradies oder Hölle?

unsere_Hunde

Datum: 29. Dezember 2009
Uhrzeit: 19:57 Uhr
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Wie jedes mal traf mich in Tobago beim Verlassen des Fliegers ein regelrechter Hitzeschock. Der Unterschied zwischen dem unterkühlten Flugzeug und der tropisch feuchten Hitze war immer krass. Aus Erfahrung wusste ich jedoch, dass dieses unangenehme Gefühl nur anhielt bis man die erste Dusche genommen hatte, leichte Kleidung trug und ein gekühltes Getränk in der Hand hielt.

Die Zollformalitäten waren schnell erledigt und in meinem Pass befand sich nun ein Stempel, der mir vorerst einen dreimonatigen Aufenthalt auf der Insel erlaubte. Beim Verlassen des kleinen Flughafengebäudes stürzten sich wieder einmal sämtliche Taxifahrer von Tobago wie die Geier mit einem Riesengeschrei auf die Ankommenden. Manche rissen einem regelrecht das Gepäck aus den Händen, um auf sich aufmerksam zu machen. Wenn man dieses Spektakel zum ersten mal erlebte, konnte einem fast Angst werden. Aber sie meinten es nicht böse. Jeder wollte einfach nur ein wenig Geld verdienen, wenn einmal die Woche aus Deutschland ein Flugzeug landete.

Mein Mann holte mich, meine Tochter Michelle und deren Freundin vom Flughafen ab, und so fuhren wir alle zusammen „nach Hause“. Von dort aus begaben sich die beiden Mädels dann mit unserem Auto zu ihrer eigenen Unterkunft.

Am nächsten Morgen tollte ich als aller erstes mit unserer Hündin Rusty herum. Es war ein sehr stürmisches Wiedersehen. Natürlich kamen dabei auch die beiden kleinen Mischlingshunde, die mein Mann sich von der Straße geholt hatte, nicht zu kurz.

Zu diesen beiden Streunern, denen wir die Namen „Fox“ und „Kasper“ gegeben hatten, gab es eine Geschichte. Fox, einen rehbraunen typischen Tobago Hund, hatte ich während eines Urlaubs als winzigen Welpen kennen gelernt. Er war sehr mager und musste sich als junger Hund bereits sein Fressen in Mülleimern suchen. Ich hatte ihn sofort ins Herz geschlossen. Als ich damals wieder heim fliegen musste gab ich einem der Einheimischen ein wenig Geld, um damit Futter für Fox zu kaufen.

Ein paar Monate später, als ich zusammen mit Joe wieder kam, war der kleiner Fox bereits erneut sehr abgemagert, jedoch er lebte. Nun stöberte er nicht mehr alleine in den Mülleimern nach Nahrung. Fox hatte einen Kameraden. Dieser war ebenso wie er selbst ein Tobago Mix, jedoch war sein Fell schwarz. Er war irgendwie ein ganz lustiger kleiner Hund. Sehr verspielt und unternehmungslustig. Deshalb nannten wir ihn Kasper. Auch er wurde während unseres kurzen Urlaubs von uns gefüttert. Doch dann mussten wir die Beiden wieder sich selbst überlassen, da wir heim fliegen mussten.

Wieder zu Hause dachte ich sehr oft an die beiden Hunde und hoffte, sie würden sich so lange durchschlagen können bis Joe wiederkommen würde. Wir hatten beschlossen, dass er die Beiden bei sich aufnehmen würde. Diese Tiere waren so genügsam und dankbar, und außerdem hatte unsere Rusty dann Spielgefährten.

Als Joe dann einige Wochen später nach Tobago flog, um mit dem Hausbau anzufangen, wollte er Fox und Kasper zu sich nehmen. Doch nun meldete sich auf einmal ein Nachbar, der angab, der Besitzer von Kasper zu sein. Er war jedoch bereit, für zwei Flaschen Rum meinem Mann den kleinen Kasper zu überlassen. Um den Hund zu bekommen ging Joe eben diesen Deal ein. Nun waren wir also Besitzer von drei Hunden.

Nachdem die Hunde sich an diesem ersten Morgen wieder etwas beruhigt hatten, machte ich zusammen mit Joe einen Rundgang durch unser neues Wohnhaus. Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht, weil erst der Rohbau fertig gestellt war. Außerdem machte Joe mir klar, dass er sich entschlossen hatte, die meisten der noch verbleibenden Arbeiten selbst, bzw. mit meiner Hilfe auszuführen. Die einheimischen Handwerker hatten ihn in den letzten Monaten schrecklich enttäuscht. Nachdem der mir angeborene Optimismus sich wieder bei mir einstellte, kam ich zu dem Schluss, dass dies alles nicht so schlimm war. Schwere oder handwerkliche Arbeiten hatte ich noch nie gescheut, und zu zweit würden wir das schon schaffen. Bis es so weit sein würde, konnten wir ja noch im Gästeanbau wohnen, zumal der Container mit unseren Möbeln sowieso erst in ein paar Wochen mit dem Schiff eintreffen würde.

Und so holte uns der Alltag sehr schnell ein.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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