Was tun die Blauhelme auf Haiti

haiti-Blauhelme

Datum: 04. Januar 2010
Uhrzeit: 02:24 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

MINUSTAH ( Mission des Nations Unies pour la stabilisation en Haiti ) heisst die Mission der UNO in Haïti, die die Weltorganisation hierher geschickt hat um Ruhe und Ordnung herzustellen und aufrechtzuerhalten. Ein Heer von 7.500 Soldaten, gegen 2000 Polizisten und ein ziviler Stab von 1700 internationalen Spezialisten der Vereinten Nationen und ausgewählten Einheimischen. Gegenwärtig sind es 8.550 Uniformierte und ein ziviler Stab von rund 1200 Personen aus Ägypten, Argentinien, Benin, Bolivien, Brasilien, Burkina Faso, Chile, China, Ecuador, El Salvador, Frankreich, Guatemala, Jemen, Jordanien, Kamerun, Kanada, Kolumbien, Kroatien, Madagaskar, Mali, Marokko, Mauritius, Mexico, Nepal, Niger, Nigeria, Pakistan, Paraguay, Peru, Philippinen, Ruanda, Rumänien, Russland, Senegal, Sierra Leone, Sri Lanka, Spanien, Togo, Tschad, Türkei, Uruguay den U.S.A. und Vanuatu.

Seit dem 1. Juni 2004 gewährleisten die MIF (Multinational Interim Force) und dann MINUSTAH die Sicherheit und unterstützen die Entwicklung in Haiti. Ein brasilianischer General kommandiert dieses bunte Heer, dem ein Missionsleiter aus Guatemala und ein Polizeikommandant aus Guinea zur Seite stehen. Ich bin überzeugt, dass diese bewunderungswürdigen Soldaten so viel gelernt haben, dass sie nach Rückkehr zu Offizieren befördert werden! Wo ist in der Liste die Schweiz? Ich frage mich auch. Sicher grösser und potenter als etwa Jemen und Nepal, hat sie zumindest eine einmalige Ausbildungschance für die freiwilligen Soldaten verpasst, vor allem aber die Chance einer gewaltigen Imagepflege.

MINUSTAH verwirklichte schon gegen 600 verschiedene Projekte mit einem Gesamtbetrag von 6,5 Millionen US-Dollar, zum Beispiel den Bau von Schulen, Gerichten, Straßen, Brücken und andere wichtige öffentliche Einrichtungen. Hauptaufgabe aber ist und bleibt, das Land zu stabilisieren, die Institutionen zu stärken sowie Dialoge zwischen den politischen Akteuren zu fördern. A propos Dialog, wie lässt sich eine derart vielsprachige Armee führen? Ich habe hie und da „militärische“ Sprachkurse beobachtet! Am 6. und 7. April 1009 wird in Washington ein hochrangiges Treffen der Geldgeber stattfinden, um über die Hilfen für Haiti zu beraten. Da werden keine Sprachkurse nötig sein, da ist für Dolmetscher gesorgt!

MINUSTAH ist unterwegs zu neuen Projekten. Auf meiner dreitägigen Fahrt in den Süden von Jacmel, wo ich auch das traurige Erlebnis mit Maela hatte, begegnete ich zweimal großen Verschiebungen blaubehelmter Genietruppen, die mit schwerem Gerät samt Wohncontainern und Kettenfahrzeugen auf Tiefbettanhängern den schwierigen Pass überquerten. Das Heer verfügt über einen erstaunlichen Fahrzeugpark, von Schützenpanzern für Sicherheits- und Polizeieinsätze bis zu „Myriaden“ von Helikoptern in jeder Größe – ja in Katastrophenzeiten sah man Flugzeugträger auf dem Meer, da die auf dem Flughafen stationierten Hubschrauber nicht mehr ausreichten. Ich bewundere diese „Mot-Ofs“, sie vollbringen logistische Wunder, in diesem Land, wo es kaum Benzin, Werkzeuge und Fachleute gibt. Ich bewundere überhaupt die Versorgungsdienste, die 10’000 Mann, verteilt über weites, wegloses Bergland, täglich unterbringen und verpflegen müssen. An dieser Front ist Lernen angesagt, hier braucht es keine teuren Spiele dazu!

MINUSTAH arbeitet für die Sicherheit und für Ingenieurprojekte, die NGOs ( non-governmental organizations ) mit rund 3000 Organisationen leisten humanitäre Arbeit. Dazu gehören Armut, Hunger, Kindersklaverei und Katastrophenhilfe. Tausende von Fahrzeugen aller Art kommen zum Einsatz, können ihre Ziele jedoch wegen fehlender Straßen oft nicht erreichen. Viele Regionen müssen per Helikopter angeflogen werden, nicht gerade das billigste Verkehrsmittel. In Zeiten der Naturkatastrophen kamen auch Flugzeugträger mit ihren Hubschraubern zu Hilfe. Die Welt hat Haiti in die Arme geschlossen. Bleibt zu hoffen, dass sie dieses fragile Kind nie mehr fallen lässt, denn es wird noch Generationen dauern, bis daraus ein Land wird, bis die Kinder lesen und schreiben können und nicht mehr Hungers sterben.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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