Evangelikale Konkurrenz für die katholische Kirche in El Salvador

pfingstbewegung

Datum: 27. Februar 2011
Uhrzeit: 04:38 Uhr
Ressorts: El Salvador, Panorama
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► Abkehr vom Katholizismus

Der evangelikale Protestantismus findet in Zentralamerika immer mehr Zuspruch, berichtet der Economist. Gepredigt wird in immer größeren Gotteshäusern und dort, wo der Platz nicht reicht, wird über Bildschirme die frohe Botschaft ins Freie übertragen. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber das Straßenbild zeugt von der ungebrochenen Anziehungskraft der Evangelikalen. In El Salvador identifizieren sich nach Schätzungen des US-Außenministeriums kaum mehr 50% der Bevölkerung mit der katholischen Kirche. In Honduras und Belize ist deren Anteil schon unter die Hälfte gesunken, ähnlich ist es auch in Nicaragua. In Mexiko hingegen deklarieren noch immer 90% ihre Loyalität für die katholische Kirche.

Die Abkehr vom Katholizismus begann in Zentralamerika schon während der Bürgerkriege in den 80er Jahren, als katholische Priester und Laien unter dem Einfluss der Theologie der Befreiung die jeweiligen Regierungen kritisierten sowie Sozialreformen und mehr Gerechtigkeit forderten. Für die Behörden „war ein Katholik damals verdächtigt“, erklärt der Weihbischof von San Salvador, Rosa Chávez. Nach der Ermordung von Erzbischof Óscar Romero wandten sich viele den protestantischen Kirchen zu. Auch die im Vergleich zu den Evangelikalen mangelnde Attraktivität der Messfeiern wird immer wieder als Grund für Schwund an Gläubigen genannt.

In den letzten Jahren erweist sich wiederum der Konservatismus der Hierarchien für manche als Hindernis. Edgar López Bertrand, Gründer der  Friends of Israel, konnte nicht katholischer Priester warden, weil sein Eltern geschieden waren. Seine Gruppe erfreut sich großer Beliebtheit bei jüngeren und auch älteren Menschen, weil die optimistische Botschaft vom Wohlstand gerade unter Armen gut ankommt. Das gilt auch als ein Grund, warum der Einfluss evangelikaler Sekten in Costa Rica bei weitem nicht so stark ist.

Die Nähe zu den USA begünstigt die Ausbreitung der neuen Lehren. Knowhow und Ausstattung und vor allem Geld für die Medienarbeit kommen von dort. Friends of Israel verkauft DVDs und religiöse Literatur und überträgt seine Botschaft auch in Radio und Fernsehen. Aus den USA kommen auch Missionare, die in gleichen T-Shirts im Namen Gottes Schulen und Latrinen bauen. In San Salvador betreibt Friends of Israel ein Waisenhaus und eine Stiftung für behinderte Kinder sowie ein Ausbildungszentrum für evangelikale Pastoren.

Der Erfolg der Evangelikalen ist eine Herausforderung für die katholische Kirche. „Wir müssen uns fragen, warum uns die Menschen davonlaufen, was wir falsch machen“, räumt Weihbischof Chavez selbstkritisch ein. Einige verweisen auf eine offenere Position zu Fragen wie vorehelicher Sex oder Abtreibung. Die katholische Kirche hat inzwischen auch ihren eigenen Fernsehkanal.

Trotz der schwindenden Zahl von Kirchenbesuchern ist die katholische Kirche nach wie vor eine wichtige politische Kraft und moralische Autorität im Land. Über Jahre genoss sie in Umfragen das größte Vertrauen aller gesellschaftlichen Institutionen (seit letztem Jahr hat die Armee diese Position inne). Die sonntägliche Pressekonferenz des Erzbischofs wird von den Medien wahrgenommen, die Positionen der Kirche haben noch immer beträchtlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Politik. Ein Beispiel dafür ist die ablehnende Haltung der Kirche zum Bergbau. Auch werden Erzbischof und Weihbischof immer wieder als Vermittler bei sozialen und politischen Konflikten herangezogen. Die Kathdrale von Salvador, wo Erzbischof Romero bestattet ist, ist nicht nur Wahlfahrtsort sondern auch Symbol des Widerstandes. Sie wurde im letzten Jahr zwei Mal Gruppen besetzt, die ihren Forderungen Nachdruck verleihen wollten.

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