Gran Chaco: Alarmierender Rückgang des Jaguars

jaguar

Trotz seiner im Vergleich zum Sibirischen Tiger geringeren Körpergröße verfügt der Jaguar von allen Katzen über das kräftigste Gebiss (Foto: Screenshot YouTube)
Datum: 01. Oktober 2018
Uhrzeit: 20:46 Uhr
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Autor: Redaktion
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Der Jaguar hat in den letzten dreißig Jahren ein Drittel seines Lebensraums im größten tropischen Trockenwald Südamerikas verloren – eine Fläche der Größe Österreichs. In einer neuen Studie zeigen Forscher des Geographischen Instituts der Humboldt-Universität zu Berlin (HU), dass vor allem das Zusammenspiel von Entwaldung und Bejagung für diesen dramatischen Rückgang verantwortlich ist. In der von Alfredo Romero-Muñoz geleiteten Studie wurden Veränderungen des Lebensraums des Jaguars von 1985 bis 2013 im gesamten Gran Chaco ausgewertet. Dieses Trockenwaldgebiet erstreckt sich über 1,1 Millionen Quadratkilometer in Bolivien, Paraguay und Argentinien und ist damit dreimal so groß wie Deutschland. Im Gran Chaco breitet sich die industrialisierte Landwirtschaft zur Produktion von Rindfleisch und Sojabohnen besonders schnell aus, was die Region zu einem weltweiten Hotspot der tropischen Entwaldung hat werden lassen. Im Gegensatz zu anderen tropischen Wäldern wie dem Amazonas stehen jedoch nicht einmal 10% des Chaco unter Schutz. Die Ausbreitung der Landwirtschaft wird vor allem durch die steigende Nachfrage nach Rindfleisch und Soja, was wiederum vorwiegend in Europa und Asien als Futtermittel genutzt wird, angetrieben. Dies bedroht Jaguare auf zwei Arten: Einerseits verliert der Jaguar durch die Waldrodungen seinen Lebensraum, andererseits werden Jaguare oft unnachgiebig verfolgt, da Rinderzüchter Angriffe auf ihre Tiere fürchten.

Vom Aussterben bedroht

Alfredo Romero-Muñoz hat mit Forschern aus dem gesamten Chaco-Gebiet zusammengearbeitet. „Unsere Studie zeigt, dass seit 1985 drei Millionen Hektar Jaguarhabitat der Landwirtschaft zum Opfer gefallen sind und in Weide- oder Ackerland umgewandelt wurden“, erklärt Romero-Muñoz. „Noch besorgniserregender ist allerdings, dass der Jagddruck auf den Jaguar im gleichen Zeitraum auf einer noch viel größeren Fläche von sieben Millionen Hektar hinweg stark angestiegen ist.“ Er befürchtet, dass Jaguare bald ganz aus dem Chaco verschwinden könnten, und dass sie wahrscheinlich in vielen Teilen der Region bereits ausgestorben sind. Jaguare spielen jedoch für ein gesundes Ökosystem im Chaco eine entscheidende Rolle.

Lebensräume entlang internationaler Grenzen müssen geschützt werden

Die Studie hat außerdem ergeben, dass größere Schutzgebiete am besten geeignet sind, um Jaguare zu schützen. „In kleinen Schutzgebieten ging Jaguarlebensraum verloren, entweder durch die Abholzung von Wäldern oder durch Wilderei innerhalb dieser Reservate, insbesondere aber auch weil Jaguare oft getötet werden, wenn sie das Reservat verlassen“, erklärt Prof. Dr. Tobias Kümmerle, Leiter der Arbeitsgruppe Biogeographie und Naturschutz an der HU und Mitautor der Studie. „Trotzdem zeigt unsere Studie klar, dass der Jaguar im Chaco gerettet werden kann. Unsere Ergebnisse geben insbesondere Hinweise darauf, wie wichtig die verbleibenden Lebensräume entlang internationaler Grenzen sind.“ Die drei Chaco-Länder müssten schnell zusammenzuarbeiten, um diese Regionen effektiv zu schützen und somit die Ausrottung des Jaguars abzuwenden. „Unsere Karten können zeigen, wo welche Schutzmaßnahmen zum Erhalt des Jaguars ergriffen werden sollten“, meint Kümmerle.

Alfredo Romero-Muñoz betont den Beitrag, den Europa zur Rettung leisten kann: „In unserer immer globalisierteren Welt hat das, was wir essen, große Auswirkungen in weit entfernten Regionen. Ein großer Teil des im Chaco produzierten Rindfleischs wird nach Europa und Asien exportiert. Auch das Soja aus dem Chaco wird bei uns verwendet, hauptsächlich als Tierfutter für Schweine, Hühner und Rinder. Wir leisten also einen Beitrag zur Rettung des Jaguars, und vieler anderen Arten, in dem wir unseren Fleischkonsum zurückschrauben.“

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