Abholzung senkt die Amazonas Stabilität

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Wenn man vom Amazonasgebiet spricht, sind die Daten alle superlativ (Foto: Tânia Rêgo/Agência Brasil)
Datum: 10. Mai 2026
Uhrzeit: 13:47 Uhr
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Autor: Redaktion
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Rund zwei Drittel des Amazonas-Regenwaldes könnten sich bei einer globalen Erwärmung von 1,5 bis 1,9°C in stark geschwächten Regenwald oder savannenähnliche Ökosysteme verwandeln, wenn die Entwaldung auf etwa 22 bis 28 Prozent des Amazonasgebiets ansteigt. Das zeigt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die in Nature veröffentlicht wurde. Ohne zusätzliche Abholzung würden solche großflächigen Veränderungen dagegen voraussichtlich erst bei deutlich höherer Erwärmung von etwa 3,7 bis 4°C auftreten. „Abholzung macht den Amazonas deutlich anfälliger, als wir bisher dachten. Sie trocknet die Atmosphäre aus und schwächt die Fähigkeit des Waldes, seinen eigenen Niederschlag zu erzeugen“, sagt Prof. Nico Wunderling, Wissenschaftler am PIK/Professor für Erdsystemwissenschaften am Center for Critical Computational Studies der Goethe-Universität Frankfurt und Hauptautor der Studie. „Schon eine moderate zusätzliche Erwärmung könnte dann Kettenreaktionen in großen Teilen des Waldes auslösen.“ Etwa 17 bis 18 Prozent des Amazonas-Regenwaldes sind bereits zerstört, wodurch sich das System bereits dem in der Studie identifizierten kritischen Bereich nähert.

Klimawandel und Abholzung verstärken sich gegenseitig: Folgewirkungen im Amazonas

Die Studie liefert die bislang detaillierteste Abschätzung darüber, wie sich Erwärmung und Entwaldung gleichzeitig auf die Stabilität des Amazonas auswirken. Sie kombiniert Klimaprognosen, hydrologische Modellierung und einen Netzwerkansatz zum Transport von Luftfeuchtigkeit.
„Globale Erwärmung und Abholzung verändern die Niederschlagsmuster im gesamten Amazonas“, erklärt Arie Staal, Assistenzprofessor an der Utrecht University und Co-Autor der Studie. „Wenn Abholzung den Feuchtigkeitstransport in einem Teil des Amazonas unterbricht, können ganze Regionen, Hunderte oder sogar Tausende Kilometer entfernt, durch sich ausbreitende Dürreeffekte an Widerstandskraft verlieren.“

Ein zentraler Grund für die zunehmende Schwächung des Amazonas ist seine Fähigkeit, einen Teil seines Niederschlags selbst zu erzeugen: Bis zur Hälfte des Niederschlags im Amazonasbecken entsteht aus Wasser, das von den Bäumen selbst in die Atmosphäre abgegeben wird. Dieser Wasserdampf fällt später wieder als Regen. Wird Regenwald zerstört, schwächt sich dieser Kreislauf ab, der Trockenstress nimmt zu und in Windrichtung gelegene Waldgebiete werden anfälliger. Die Forschenden betonen, dass ein Abholzungsstopp und Wiederaufforstung die Widerstandsfähigkeit des Amazonas gegenüber weiterer Erwärmung deutlich stärken könnten.

„Bisher hat der Amazonas-Regenwald eine zentrale Rolle für die Stabilität des Erdsystems gespielt, als Kohlenstoffsenke, als Motor des regionalen Wasserkreislaufs und als Lebensraum der artenreichsten Ökosysteme weltweit“, sagt Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Co-Autor der Studie. „Die fortschreitende Abholzung untergräbt diese Stabilität und bringt den Wald näher an eine kritische Schwelle. Das hätte nicht nur verheerende Folgen für die Region, sondern weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Planeten.“ „Doch diese Entwicklung ist nicht unausweichlich: Wenn Abholzung gestoppt, bereits geschädigte Wälder ökologisch wiederhergestellt und die Emissionen schnell gesenkt werden, lassen sich die Risiken deutlich verringern“, so Rockström.

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