Auswandern nach Tobago: Ein Traum neigt sich dem Ende entgegen

Sandy1

Datum: 15. Februar 2010
Uhrzeit: 15:34 Uhr
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Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Als mein Mann mich am Flughafen abholte, bemerkte ich gleich, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmte. Er benahm sich sehr ruhelos und nervös. Auch die nächsten Tage war er sehr seltsam, abwesend und lustlos. Er überließ die meiste Arbeit mir, während er sich wieder an seinem Computer verkroch. Ich hatte zwar erfahren, dass während meiner Abwesenheit zweimal bei uns eingebrochen worden war. Außerdem fehlte seit Tagen unser kleiner Hund Kasper. Das war zwar schlimm und machte mich sehr traurig, zumal unser Nachbar überall erzählte, er habe Kasper getötet. Mittlerweile durfte ihn das alles doch nicht mehr derart aus der Bahn werfen.

Bis ich eines Tages entdeckte, dass er trank. Er trank sehr viel und er trank heimlich. Das war also seine Art, mit den Problemen hier umzugehen. Je mehr er trank, umso mehr verschloss er sich vor mir und seiner Umwelt. Ich war gezwungen, alle Probleme alleine zu lösen, Entscheidungen zu treffen. Auch an den täglichen Arbeiten beteiligte er sich kaum noch. Das einzig beruhigende war, dass wir noch für einige Wochen unseren Stempel für die Aufenthaltsgenehmigung hatten.

In diesen Tagen fand ich am Strand unter einer Palmenwurzel ein winselndes kleines Etwas. Es war ein kleiner Hundewelpe, der in so  schlechtem Zustand war, dass er nicht mehr in der Lage war zu gehen. Ich konnte nicht anders, ich musste ihn einfach mitnehmen.  Der kleine Winzling bestand nur aus Haut und Knochen, und hatte überall Wunden. Da er das Wasser, das ich ihm anbot, ablehnte, bereitete ich dem Welpen einen Brei aus püriertem Hundefutter und Wasser. Das schlabberte das kleine Wesen gierig aus. Danach  wusch ich die Wunden mit Kamillentee aus, und versorgte diese mit Wundsalbe. Ich gab dem kleinen Hundemädchen den Namen „Sandy“, da ich sie im Sand gefunden hatte.  Sie wurde von mir alle zwei Stunden gefüttert und kam bald zu Kräften. Von nun an hatte ich ständig eine kleine Begleiterin.

Die kleine Sandy ließen wir zu ihrer Sicherheit bei uns im Haus übernachten. Außerhalb des Hauses würde sie in der Nacht keine Chance gehabt haben. Dazu wohnten wir zu nah am Busch. Es gab da zwar keine Wildtiere, die uns Menschen hätten gefährlich werden können, der kleine Welpe jedoch hätte nicht lange überlebt.

Die Vorweihnachtszeit war angebrochen, aber in mir kam keine weihnachtliche Stimmung auf. Wie sollte es weiter gehen? Ich war weitgehend auf mich alleine gestellt. Mein Mann war verbittert und aggressiv geworden, besonders unter Einfluss von Alkohol, ohne den nun nichts mehr ging. Um meinen Kummer zu vergessen, stürzte ich mich noch mehr in die Arbeit. Joe half mir nicht mehr. Er zog sich immer mehr in seine eigene Welt zurück, zu der ich keinen Zutritt hatte.

Ich war sehr einsam und verzweifelt. Wo war unser Traum geblieben? In schlaflosen Nächten schlich ich mich oft in den Stall, um bei meinem Pferd Trost zu suchen. Ich weinte still nach innen, tief in mein Herz hinein, denn meine Tränen sollte niemand sehen. Ich wollte kämpfen, wenn es sein musste für uns Beide. Doch jeden Tag verlor ich diesen Kampf ein wenig mehr.

Kurz vor Weihnachten besuchten uns wie versprochen mein Sohn und dessen Freund. Ich freute mich wahnsinnig, da ich mich in den letzten Wochen mit niemandem mehr hatte austauschen können. Er erkannte sehr schnell, was mit seinem Vater los war. Was ich schon die ganze Zeit gedacht hatte, sprach er offen aus.

So durfte es nicht weiter gehen! In den darauf folgenden Tagen sprach ich meinen Mann auf sein Problem an, machte ihm auch meine Konsequenz klar, doch er hatte überhaupt kein Einsehen. Er hatte bereits kapituliert. Ich konnte mich nicht mehr auf ihn verlassen. So traf ich die  Entscheidung, ihn und unseren großen Traum zu verlassen. Ich kaufte  schweren Herzens ein Ticket nach Deutschland für mich und meine kleine Sandy, ein One-Way-Ticket.

Es brach mir beinahe das Herz, mein Pferd vorerst zurück lassen zu müssen. Das treue Tier spürte den Abschied. Ich schwor mir selbst, nicht nur mein Pferd, sondern auch das meiner Tochter wieder zurück zu holen. Wie ich das anstellen wollte, war mir noch unklar. Aber ich dachte wieder einmal, was ich will, das schaffe ich auch.

Mir war klar, ich musste mein Leben noch mal ganz von vorne anfangen.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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