Haiti: Bewegende Autobiografie und äusserst wertvolle Dokumentation

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Datum: 14. März 2013
Uhrzeit: 08:10 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)
► Buch grösstenteils vor dem Inferno geschrieben

Für mich gibt es zwei Gefühle, die wichtig sind im Leben, und die ich erzeugen, fördern oder behalten möchte, ja nach Bedarf: Das Herzklopfen und das Schmunzeln. Deshalb habe ich eine Sammlung von Schmunzelgeschichten eingebaut, noch vor dem 12. Januar. Schon der berühmte Christoph Kolumbus, der auf Haïti Amerika „entdeckt“ hat, schilderte die Haïtianer, als er sie zum ersten Mal fand und noch nicht ausgeflippt war, als „Menschen von unglaublicher Freigebigkeit. Wenn man um etwas bittet sagen sie nie nein, sondern fordern einen ausdrücklich auf, es anzunehmen und zeigen dabei soviel Liebenswürdigkeit, als würden sie einem ihr Herz schenken“. Und ich habe mich, 500 Jahre später, diesem Urteil angeschlossen.

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Kolumbus wollte ursprünglich einen neuen Seeweg nach Indien finden. Doch am 12. Oktober 1492 landete er unversehens an der Nordküste der Insel San Salvador auf Bahamas, in Haïti wird allerdings die Insel La Tortue als Kolumbus‘ Landeort genannt. Man streitet sich gerne um historische Anziehungspunkte, denn die bringen Geld. In Santo Domingo listet man sogar das Bett, in dem Christoph geschlummert haben soll, alles ist für eine Sehenswürdigkeit gut! Den gesuchten Seeweg hat er nicht gefunden, dafür die „Indianer“, denen er diesen Namen gab in der irrigen Meinung, er sei hier auf dem indischen Festland.

Und sie haben ihm alles Gold geschenkt, schenkten ihm ihr ganzes Herz. Das Gold entführte er und brachte es dem König und machte ihn NOCH reicher als er schon war, und der schmolz es schliesslich um zu Dukaten, damit konnte man Waffen kaufen, Ketten und eiserne Fesseln. Wer das überlebte, wurde in die Sklaverei getrieben, arbeitete sich im Dienste der Kolonisatoren, endgültig zu Tode. Wir sind heute noch reich davon. „Im Dienste Gottes,“ und im Dienste des Königs.

Das dauerte so seine paar hundert Jahre, die letzten zwanzig davon habe auch ich überlebt. Ich habe schwierige Zeiten überlebt, mit Unbill, Schrecken und Sturm, aber ich bin nach dem Goudou-goudou wieder zurückgekommen auf die Insel der Berge, wo es noch heute so vieles auszupacken und zu entdecken gibt. Vor allem zu entwickeln. Auch wenn die Menschen ihren goldenen Reichtum verschenkt haben und bloss die Armut übrig blieb, ihr goldenes Herz haben sie behalten. Seit es Kolumbus beschrieb.

Verleger Hauke Wagner schreibt dazu:

Mit grossem Interesse habe ich Ihr wunderbares Manuskript „Alma Zombie“ gelesen und bin absolut begeistert. Sie verstehen es, den Leser schon auf den ersten Seiten anzusprechen und seine Neugier zu wecken.Es ist Ihnen hervorragend gelungen, Ihr Konzept umzusetzen und eine sehr bewegende Autobiografie und eine äusserst wertvolle Dokumentation zu schreiben, zutiefst berührend und lebendig. Es ist ein sehr persönliches Buch, ein Zeugnis voller Geschichten vom Alltag, voll von Erhofftem, Erlebtem und Erdachtem. Es ist aber auch eine Hommage an dieses so wunderschöne aber auch sehr gebeutelte Land Haiti und dessen reiche Kultur. Ein äusserst eindringliches Buch, das den Leser aufklärt und die Wirklichkeit mit den geschichtlichen Hintergründen der Zeit eindringlich beleuchtet.

Eine unvergessliche und sehr ehrliche Begegnung mit dem eigenen Ich und mit einer Welt, die wir Europäer uns so vielleicht nie vorzustellen vermochten. Deutlich zu spüren ist Ihr fundiertes Wissen und Ihre Erfahrung. Ihr Werk ist klar strukturiert und logisch aufgebaut und für den Leser gut verständlich und nachvollziehbar. Ihr Schreibstil ist direkt und wertend. Sie verzichten auf allzu schwierigen Fachjargon und unnötige Floskeln. Das Thema ist in der Tat sehr gut gewählt, Wortwahl, Stil und Satzbau stimmen. Ihre Ausdrucksweise ist modern und flüssig, die Zusammenhänge sind sehr gut ausgearbeitet. Darstellung und Erläuterung sind hervorragend, der Leser reagiert entsprechend. Alle nötigen Strukturelemente sind im Text vorhanden: Inhalt, Aufbau und Sprache harmonisieren vorzüglich miteinander.

Gerne möchte ich an dieser Stelle einige Zeilen aus Ihrem Werk zitieren, stellvertretend für die vielen beeindruckenden Momente Ihrer wundervollen Erzählung:

„Ich habe dieses Buch grösstenteils vor dem Inferno geschrieben, sodass ich für bebenbedingte Änderungen um Verständnis bitte. Auch bitte ich um Verständnis, dass ich irgendwo abschliessen muss – hier überrascht jeder Tag mit neuen Änderungen. Ich bemühe mich, möglichst aktuell zu bleiben.“

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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