Umweltkatastrophe Brasilien: Biologische Friedhöfe, weinende Indigene und geschlossene Strände – Update

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Auf seiner Reise von 650 Kilometer hat der giftige Schlamm nur biologische Friedhöfe hinterlassen (Fotos: BombeirosMinasGerais)
Datum: 25. November 2015
Uhrzeit: 10:34 Uhr
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Redaktion
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Zwei Wochen nach dem Bruch eines Staudamms in Mariana (Bundesstaat Minas Gerais) hat die Flut von 62 Millionen Kubikmeter Schlamm, Schutt und Mineralien den Strand von Regency im Bundesstaat Espirito Santo erreicht. Der Giftschlamm hat bei seiner Reise zum Atlantik das Leben an den Ufern des Flusses Doce zerstört, Umweltschützer sprechen von biologischen Friedhöfen. „Die Situation kann man mit wenigen Worten zusammenfassen: der Fluss ist tot“, so Luciano Magalhães, Leiter Wasser- und Abwasserkanalservice der Region. Forscher Marcos Freitas von der Bundesuniversität von Rio de Janeiro (UFRJ) bekräftigt seinen Kollegen. „Auf seiner Reise von 650 Kilometern hat der giftige Schlamm nur biologische Friedhöfe hinterlassen“. In den Nachrichtensendungen des brasilianischen Fernsehens werden weinende Indigene gezeigt, denen die Zukunft geraubt wurde.

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Die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens hat zur Aussetzung der Zufuhr von Trinkwasser von über 250.000 Menschen geführt. Die Menge von Arsen, Cadmium, Blei, Chrom, Nickel, Kupfer und Quecksilber liegt laut dem brasilianischen Institut für Wasserwirtschaft weit über dem gesetzlich zulässigen Grenzwert. Die brasilianische Regierung bezeichnet den Vorfall als „Umweltkatastrophe“ und hat dem Betreiber der Mine „Samarco“ eine Geldbuße in Höhe von insgesamt fast 430 Millionen US-Dollar auferlegt.

Umweltschützer gehen jedoch davon aus, dass die Schäden in die Milliarden gehen und letztendlich unberechenbar sind. Sie weisen darauf hin, dass Pflanzen und Tiere in einem Becken von über 83.000 Quadratkilometern, das entspricht der Größe Österreichs, vom Umwelttod betroffen sind. Auf mehr als 850 Kilometer Länge hat der Rio Doce noch nicht abschätzbare Schäden an Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus und Industrie hinterlassen. „Kein Geld dieser Welt reicht aus, um uns zu helfen. Der Fluss ist tot und kommt nie wieder zurück. Alles, was wir wollten und hatten, ist nicht mehr da. Sie haben uns unsere Freude genommen/gestohlen“,weint Mauro Krenak, Fischer in der Region.

Mindestens 16 weitere Staudämme in vier Bundesstaaten sind gefährdet. Eine Tragödie wie in Marina kann sich jederzeit wiederholen.

Update

Die Kommunalregierung vom Verwaltungsbezirk Linhares (ES) gab am Mittwochnachmittag (Ortszeit) bekannt, dass ab sofort zwei Strände im Mündungsgebiet des Rio Doce gesperrt werden. Demnach haben wechselnde Winde giftige Sedimente an den Praia Regência und Povoação getrieben, das Umweltministerium bezeichnet die Maßnahme als „präventiv“.

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  1. 1
    Fideldödeldumm

    Dies ist ein Völkermord, den sich diese Links-Regierung von Lula + Wilma auch auf die Brust heften kann. Den Indigen helfen zu wollen, war genauso nur populistisches Gelaber wie von Chavez in Venezuela. Es wird nichts zu ihrem Schutz beigetragen. Im Gegenteil: Seit Antritt der Linken hat sich die Lage der Indigen noch wesentlich verschlechtert.

  2. 2
    Martin Bauer

    Ich kenne die betroffene Küstenregion recht gut und könnte heulen bei der Vorstellung, dass hier ein gewaltiges Naturparadies für unabsehbare Zeit zerstört wird. Und weitere solcher und schlimmerer Ereignisse werden folgen. Das ist unausweichlich.

    Die Menschheit hat nach meiner Überzeugung nur dann eine Überlebenschance, wenn sie sich der Leute entledigt, die so etwas aus purer Raffgier in Kauf nehmen. Wer eine Gefahr für alles Leben auf der Welt darstellt, muss weg von der Erdoberfläche. Faire Prozesse mit gründlichsten Ermittlungen, ja. Aber als Urteil darf es nur sofortige Elimination bei erwiesener Schuld oder Freispruch geben. Alles andere wäre kollektiver Selbstmord auf Grund von unangebrachter Gefühlsduselei. Ich hatte selber mal einen Bekannten im näheren Umfallet, der in Deutschland u.a. 40.000 Tonnen Arsen in der Landschaft entsorgt und seiner Arbeiter mit vorgehaltener Pistole gezwungen hat, seine Anordnungen zu befolgen. Viel passiert ist ihm nicht. – So kann es nicht weitergehen!

    • 2.1
      fideldödeldumm

      40.000 Tonnen oder 40.000 Kilo?
      Tonnen scheint mir a bissel viel zu sein.

      • 2.1.1
        Martin Bauer

        Laut Presse waren es 40.000 TONNEN und schien uns allen ein wenig viel zu sein. Der Name des Inhabers des „Entsorgungsunternehmens“ war Siegfried Plaumann. Seinetwegen starb ein von ihm beauftragter Baggerführer, der bei der Arbeit ein Fasss aufschlitzte und explodierte. Der Mann verbrannte. Er holte u.a. flüssige Chemieabfälle bei den damalige Farbwerken Höchst gegen hohe Gebühr ab, fuhr nur wenige Meter weiter zueiner unbeobaxchteten Ecke und lies das Gift noch auf dem Werksgelände in die Kanalisation fliessen. Seinetwegen stürte der damalige hessischen Ministerpräsident.

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