Gelbfieber in Brasilien: Das Schweigen der Wälder

mate

Der Atlantischer Regenwald ist eine Vegetationsform, die sich an der Ostküste Brasiliens von Rio Grande do Norte bis Rio Grande do Sul und ins Innere des Kontinents bis Goiás, Mato Grosso do Sul, Argentinien und Paraguay erstreckt (Foto: Latinapress)
Datum: 06. Februar 2017
Uhrzeit: 15:07 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor folgen:
Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Ein Gelbfieber-Ausbruch mit über fünfzig Toten beunruhigt die Menschen in Brasilien. Der schlimmste Ausbruch der Virusinfektion seit 15 Jahren bedroht nicht nur die Bevölkerung, der „Mata Atlântica“ steht vor einer seiner größten Tragödien. Der Atlantische Regenwald ist eine Vegetationsform, die sich an der Ostküste Brasiliens von Rio Grande do Norte bis Rio Grande do Sul und ins Innere des Kontinents bis Goiás, Mato Grosso do Sul, Argentinien und Paraguay erstreckt. Die Biodiversität der am stärksten bedrohten tropischen Wälder ist eine der höchsten der Welt.

Bei der ersten Tragödie vor rund zwei Jahren flutete eine Welle von giftigem Schlamm und Geröll die Region. Die vermutlich größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens – der Dammbruch an einer Erzmine im November 2015 – ist mit Geld nicht wiedergutzumachen. Als am 5. November zwei Staudämme eines Rückhaltebeckens der Eisenerzmine Samarco brachen, ergoss sich eine Schlammlawine in den Fluss Rio Doce. Mindestens 17 Menschen starben, ein ganzes Dorf wurde unter dem Schlamm begraben.

Ein weiteres Drama bringt nun den Wald zum verstummen, in den Baumwipfeln breitet sich der Tod aus. Seit Januar dieses Jahres wurden alleine im Bundesstaat Espírito Santo die Kadaver von 600 Südlichen Spinnenaffen (Brachyteles arachnoides) gefunden, die Population ist bereits stark gefährdet. Inzwischen mehren sich die Berichte über tote Primaten auch in den Bundesstaaten São Paulo, Bahia, Goiás und Mato Grosso do Sul. Niemand weiß genau, wie hoch die Verluste sind. Die einzige Gewissheit ist die Stille des Waldes – die meisten der Kletterkünstler sind bereits verendet.

„Dies ist eine noch nie dagewesene Katastrophe in der Geschichte des Mata Atlântica. Tausende tote Affen – wir befinden uns im Auge des Sturms“, so der Wissenschaftler Sérgio Lucena, Professor an der Bundesuniversität von Espírito Santo. Die Affen sind besonders anfällig für Gelbfieber, können sich nicht wie Menschen durch Impfung schützen. Der letzte Ausbruch von Gelbfieber bei Affen hatte zwischen 2008 und 2009 im Bundesstaat Rio Grande do Sul mehr als 2.000 Braune Brüllaffen (Alouatta guariba) getötet.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie jetzt Fan von agência latinapress! Oder abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und lassen sich täglich aktuell per Email informieren!

© 2009 - 2017 agência latinapress News & Media. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden.

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Leider kein Kommentar vorhanden!

Diese News ist älter als 14 Tage und kann nicht mehr kommentiert werden!