Geheime Paradiese in Haiti

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Datum: 07. Dezember 2009
Uhrzeit: 03:42 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
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Bucht-2In Haiti gibt es noch paradiesische Buchten wie Sand am Meer. Gesäumt von schneeweißen, mehlweichen Sandstränden. Aber ich verrate nicht wo. Denn sonst würde es ihnen ergehen wie der Traumbucht von Labadee, sie würden von Spekulanten verschandelt, von den Insulanern, oder sogar von US-Amerikanern.

Sie sind zum Glück kaum zugänglich, „erschlossen“, sagt man dem fachmännisch. Ich gedenke noch einige Geschichten zum Fall Labadee zu erzählen, der soeben das größte „Schiff“ der Welt überstanden hat, mit 6000 Gästen und 2500 Bediensteten. Die paar tausend Soldaten nicht mitgerechnet, die sich rundum in den Büschen versteckt hatten um für „Sicherheit“ zu sorgen.

Dazu gehörte auch die Sicherheit vor ungehorsamen Journalisten, die nicht schreiben was sie schreiben sollten. Deshalb wurde man eingeladen, getrimmt und in Horden geführt und informiert. Über die Abfallmengen sowie Art und Ort der Entsorgung hat man nichts gehört, das gehört zu den Themen die man lieber verschweigt.

Labadee war auch so ein stilles, verlorenes Paradies. Mit weißem Sandstrand und klarem, blaugrünem Wasser. So wie es tief in den Köpfen der Massentouristen sitzt. Bis die Amys kamen. Das hat auch die Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean Cruises begriffen, und gleich die ganze Traumbucht samt umgebenden Hügeln gekauft und fürs erste mit einer hohen, doppelten Mauer abgeschottet. Eine Straße von und nach Haiti gibt es heute noch nicht, jahrzehntelang wurde Millionen von Touristen, die hierher geschifft wurden, vorgelogen, man sei auf einer kleinen, US-amerikanischen Insel, und es wurden Hamburger und Plastikindianer und -püppchen verkauft. Von den historisch einmaligen Kulturdenkmälern und UNESCO-Weltkulturerben der Umgebung (Citadelle, Saint-Soucis etc.) wusste niemand, man konnte ja auch nicht raus aus dem Gelände.

Auch ich bekomme langsam ein schlechtes Gewissen, von den Schönheiten dieses Landes zu schwärmen. Und ich bin mir nicht mehr sicher, ob die Entwicklung des Tourismus für dieses Land überhaupt wünschbar ist, einen Segen bedeutet, die Probleme von Armut und Hunger lösen hilft.

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In der Nachbar-Republik hat der Massentourismus zwar viele neue Millionäre und ein paar Milliardäre geschaffen, aber auch dort sind Hunger und Armut geblieben, sogar weit verbreitet. Man sucht sich die billigsten Arbeitskräfte, weil man nie genug verdienen kann, und das sind wiederum die Haitianer, und erst noch die Illegalen, die Sans-Papiers.

Haiti war mal die reichste Insel der Karibik. Mit seinen Edelhölzern und Bodenschätzen. Das haben schon Leute wie Kolumbus gemerkt, und Raubbau, Ausbeutung und Völkermord begonnen. Der Vorgeschmack der Sklaverei. Die letzten Schätze des Berglandes sind zum Glück gut versteckt und kaum zugänglich. Es sind die stillen Buchten mit ihren weißen Sandstränden und Urwäldern (ja, es gibt noch solche !). Doch solange die Grundlagen des Landschaftsschutzes und der Abfallentsorgung, der Vermeidung von Übernutzung und die sozialen Folgen nicht sorgfältig geklärt und wirksame Pflege- und Kontrollsysteme bereit sind, muss mit dem Aufbau von Tourismus zugewartet werden. So lange ist es billiger, die Menschen weiterhin mit Nahrung von außen zu versorgen, als sie selber werken zu lassen.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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