Pestizide deutscher Hersteller für Vergiftungen verantwortlich

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In Bananenplantagen in Ecuador werden mehr als 40 Mal pro Jahr Fungizide gesprüht (Foto: FIANDeutschland)
Datum: 12. Mai 2021
Uhrzeit: 15:55 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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Die Menschenrechtsorganisation FIAN kritisiert den ungezügelten Einsatz von Pestiziden in Lateinamerika und der Karibik. In der aktuellen Studie „Pesticides in Latin America: Violations Against the Right to Adequate Food and Nutrition“ untersucht FIAN den Einsatz von Agrochemikalien in Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Guatemala, Haiti, Honduras, Mexiko und Paraguay. Anwendung, Lagerung und Entsorgung von Pestiziden dort sind mit erheblichen Risiken verbunden; jährlich werden Millionen Menschen Opfer von Vergiftungen.

Die 108-seitige Studie beschreibt eine Vielzahl von Verstößen gegen die Menschenrechte auf Leben, Gesundheit und angemessene Ernährung. So werden in Bananenplantagen in Ecuador mehr als 40 Mal pro Jahr Fungizide gesprüht. Plantagenarbeiter*innen leiden häufig unter schweren Hautproblemen und Atemwegserkrankungen, was sie zusätzlich anfällig für einen schweren Krankheitsverlauf mit Covid-19 macht. Auch untersucht die Studie die Vereinnahmung lateinamerikanischer Regierungen durch transnationale Agrarkonzerne, welche den unkontrollierten Einsatz von Pestiziden erst ermöglicht.

Valeria Burity von FIAN Brasilien kritisiert, dass der Einsatz von Agrochemikalien und die damit verbundenen Gesundheitsschäden weiter zunehmen. Burity fordert ein Verbot doppelter Standards – also der Praxis, in westlichen Ländern verbotene Pestizide in Länder des Südens zu exportieren. Rund ein Drittel der in Brasilien verwendeten Pestizide sind in Europa verboten. Auch Dr. Marcos Orellana, UN Sonderberichterstatter für Giftstoffe und Menschenrechte, fordert Konsequenzen: „Ländliche Gemeinden zahlen den Preis für die Vergiftung unseres Planeten. Dies führt zu inakzeptablen Menschenrechtsverletzungen. Es wird deutlich, dass die bestehenden Instrumente versagen und dass doppelte Standards zu Diskriminierung führen. Wir brauchen grundsätzliche Veränderungen.“

Während Länder wie Frankreich und die Schweiz bereits Schritte unternommen haben, um den Export von in Europa verbotenen Gefahrstoffen zu verbieten, verzögert Deutschland als Herkunftsland großer Konzerne wie Bayer oder BASF entsprechende Schritte. „Der Schutz der Gesundheit und der Menschenrechte muss vor Unternehmensinteressen stehen. Als ersten Schritt muss die Bundesregierung vollständige Transparenz gewährleisten, welche Pestizide von Deutschland aus in welche Länder exportiert werden. Zudem benötigen wir eine wirksame Regulierung, welche die Bevölkerung im Globalen Süden schützt. Hierzu zählt auch ein Exportverbot für Pestizide, die in der EU aus Gründen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes verboten sind“, so Almudena Abascal, Lateinamerika-Referentin von FIAN Deutschland.

Studie

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