In den Schwarzen Bergen auf Haiti ist immer Regenzeit

Montagnes-Noires

Datum: 02. November 2009
Uhrzeit: 23:30 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
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Montagnes-NoiresIn den Schwarzen Bergen ist immer Regenzeit, bei mir in der Golfregion herrscht immer schönes Wetter ( fast ), die abendliche Gewittershow findet draußen statt, auf dem Meer. So beschränkte sich die am 1.Mai einsetzende Regenzeit hier auf wenige Tage, während es im Osten der Insel den ganzen Monat schüttete, was Überschwemmungen und Erdrutsche verursachte. Ähnliches ist aus gewissen Gegenden Haitis zu berichten.

Oben in den Schwarzen Bergen hatte sich der Regengott allerdings hartnäckig festgebissen, und es regnet dort täglich und noch mehr allnächtlich weiter. Dort wohnt Melissa, die bei mir arbeitet, und oft weile auch ich dort oben. Gestern wollte sie zu mir rauskommen, aber der starke Regen zwang sie zur Umkehr. So konnte sie mir erst heute von der dortigen Situation berichten. Ein greiser, mir bekannter Nachbar sei soeben verstorben. Altershalber. Warum ich das erzähle? Weil es auch mit dem Regen zu tun hat!

Nach der Rückkehr vom bescheidenen Begräbnis soll es um das Totenhaus so sehr geregnet haben, dass die Besucher vor dem Haus die Schirme aufspannen und beim Eintreten gleich wieder schließen mussten. Die Regenmauer sei so kompakt gewesen, dass schon bei den Nachbarhäusern eine trockene Zone mit Sonnenschein begonnen habe. Die Voudou-Gläubigen sind überzeugt, dass es um das Haus von Sterbenden oder Toten regnet, solang sie am Leben bleiben möchten. Es scheint dass in den Schwarzen Bergen zu viele am Sterben sind, die das nicht möchten, und so regnet es dauernd.

Meine persönliche Erklärung für diese Regenberge ist allerdings anders, weniger romantisch. Unten in der Hauptstadt ist es sehr heiß, die vom Meer aufsteigenden Luftmassen sind mit Feuchtigkeit überladen. Sie erhitzen sich, steigen die Steilen empor, und nach 1000 m Steige haben sie sich um Grade abgekühlt, können ihre Bürde nicht mehr tragen und beginnen abzuwerfen, was das Zeug hält. Die Zone heißt nicht umsonst „Montagnes Noires ( Schwarze Berge ), denn schwarze Wolken hüllen die Landschaft ein, ab 14 Uhr oder mindestens ab abends, wenn genügend Dampf heraufgekommen ist. Klar, dass sich an erhitzten Stellen dasselbe im Kleinen wiederholt und diese unmittelbar neben einem Platzregen trocken bleiben können.

Übrigens setzt sich das Spektakel über der bewohnten Zone fort, die Hänge steilen weiter bis auf Höhen von gegen 2300 Meter. Entschieden zu viel für wasserschwangere Luft direkt aus dem Meer. Bei mir zuhause auf der Turmterrasse bewundere ich immer wieder die täglichen Regenspektakel draußen auf dem Meer, bequem von meinem Schaukelstuhl in der Sonne aus.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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