Tierwelt in Lateinamerika: Der Weiße Hai► Seite 5

Datum: 13. Mai 2011
Uhrzeit: 06:07 Uhr
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Autor: Redaktion
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«Biologisch ausgestorben»?
So wenig wir über die Gesellschaftsform des Weissen Hais wissen, so gross sind unsere Wissenslücken hinsichtlich der Bestandssituation. Weder auf regionaler noch auf globaler Ebene existieren einigermassen verlässliche Bestandsschätzungen. Verschiedene Fangstatistiken und die langjährigen Beobachtungen in gewissen Küstengewässern deuten aber unmissverständlich darauf hin, dass in den vergangenen Jahrzehnten überall im Verbreitungsgebiet des Weissen Hais markante Rückgänge der Bestände stattgefunden haben. Diese Rückgänge dürften verschiedene Ursachen haben. Am schwersten wiegt aber zweifellos die Überfischung.

Als Beutegreifer, der sich an der Spitze der marinen Nahrungspyramide befindet, weist der Weisse Hai von Natur aus recht geringe Bestandsdichten auf. Typisch für einen mächtigen Beutegreifer sind ferner das späte Eintreten der Geschlechtsreife, die lange Tragzeit und die geringe Wurfgrösse. Wer als Erwachsener so gut wie keine Ausfälle durch natürliche Feinde erleidet, also eine geringe Sterblichkeitsrate hat, der braucht keine hohe Fortpflanzungsrate.

Seit jedoch in Form des Menschen unvermittelt und weltweit ein übermächtiger Feind aufgetaucht ist und dem Weissen Hai auf breiter Front nachstellt, geht diese biologische Rechnung nicht mehr auf. Begehrt ist einerseits sein Fleisch für den Verzehr, insbesondere sind es aber seine Flossen und der aus seiner Leber gewonnene Tran auf den Ingredienzmärkten des Fernen Ostens sowie seine Zähne auf den Kuriositätenmärkten der westlichen Welt. Für diese Körperteile werden inzwischen Höchstpreise bezahlt. Beispielsweise kann ein grosses Gebiss mehr als 50 000 US-Dollar einbringen. Der Weisse Hai wird darum in grosser Zahl durch spezialisierte Haifischereien erlegt, wobei vor allem beköderte Langleinen zum Einsatz gelangen. Darüber hinaus bilden Weisse Haie einen willkommenen Teil des Beifangs beim Tunfisch- und Schwertfischfang, welcher weltweit in enormem Umfang betrieben wird. Man schätzt, dass global mehr Haie den Tunfisch- und Schwertfischfängern zum Opfer fallen als den spezialisierten Haifängern.

Wenn es uns nicht gelingt, die grossen Fischereinationen endlich dazu zu bewegen, den Hochsee-Fischfang nachhaltig – also unter Berücksichtigung der natürlichen Fortpflanzungsrate der befischten Bestände – zu betreiben, wird der Niedergang des Weissen Hais zweifellos anhalten. Von einer solchen Selbstbeschränkung wollen diese aber vorderhand gar nichts wissen. Manche Fachleute betrachten den Weissen Hai ohnehin bereits als «biologisch ausgestorben», weil es ihrer Meinung nach schon heute zu wenig geschlechtsreife Tiere gibt, um die massiv ausgedünnten Bestände wenigstens auf dem gegenwärtigen Niveau zu erhalten. Aufgrund der derzeitigen Lebenserwartung der Weissen Haie befürchten sie, dass womöglich schon in zwanzig bis dreissig Jahren keine dieser spektakulären Jäger mehr durch die Meere streifen werden.

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