Haiti: Das Gute im Verbrecherherz

Gut&bös

Datum: 25. Oktober 2011
Uhrzeit: 21:47 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
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Zum Verbrecher wirst du, indem du die Regeln eines Staates verletzt. Die Regeln eines Staates sind heilig. Ob du sie kennst oder nicht, ist schnurzegal. Häufiger kommt vor, dass du sie kennst aber nicht anerkennst. Denn dass sie staatlich sind, heisst noch lange nicht dass sie auch gut sind. Sinnvoll vielleicht, aber nur für den der gebietet. Vor allem für den betreffenden Staat. Über Sinn oder Unsinn entscheidet wieder dieser. Wenn du damit nicht einverstanden bist, meide tunlichst ein solches Land. Oder wechsle den Reisepass aus, wie während des südafrikanischen Aparthideregimes üblich, wenn du Nachbarländer durchreisen wolltest.

Schwieriger bei Verstössen gegen Regeln von Terrorregimes. Wie das Hören von Aristide aus dem Flugzeugsender, das während des Cédras-Putsches bei Todesstrafe verboten war. Ich habe zu jener Zeit die Todesstrafe noch und noch verpasst, hatte während besonderer Besuche ja auch besondere Freunde, die sich auf dem Dach versteckten oder gar einnisteten. Regeln von Régimes können über Nacht umdrehen, etwa wenn es in der Regierung putschelt.

Es kann passieren, dass du böswillig reingelegt wirst. Zum Beispiel wenn dir ein Staatsanwalt das Klagerecht für einen erlittenen Diebstahl abspricht, weil nur der Besitzer klageberechtigt sei, und das war ja immer noch der Schenker, und wäre der Beschenkte erst später, und jetzt noch Bestohlene. Wie mir in der Domrep passiert. Oder heimtückische Bittsteller, die dich um das Mitnehmen einer verbotenen Ware ersuchen – du tust ihnen den Gefallen und wanderst dafür ins Gefängnis. Auch das „Gefahrengut“ in deinem „Verantwortungsbezirk“ verstecken, wie so manchem fernöstlichen Drogenschmuggler passiert, der nun zu unrecht Lebenslang oder sogar Todesstrafe kassierte. Nicht umsonst warnen Schilder auf den Flugplätzen, das Gepäck nie aus den Augen zu lassen. Wenn du die Sprache nicht verstehst, dein Problem. Auch wenn du unvorsichtig bist.

Es gibt noch die Banden, Extremisten, Sekten und Sektierer (wo ist der Unterschied … ), die ihren eigenen Regeln folgen. Von Vaudou-Staatsreligion bis zu Vaudou-Show oder Vaudou-Folklore. Da gerät die Jurisprudenz in Stottern und Schleudern. Die üben ihre Blutgerichtsbarkeit bis zu Perversem und Geisteskrankem so wie SIE es wollen, kreieren ihre eigene „Jurisprudenz“, Hierarchie von Regelwerken wie Sitten, Religionen, Gesetzen, Banden oder was auch immer. Selbst im „modernen“ Deutschland wurde ein Skandal entlarvt, in dem bekannt wurde, dass sich Akademiker selber verspeisen liessen und dafür noch bezahlten – das Gericht beurteilte den „Mörder“ salomonisch. Dass es besonders im vaudouensischen Haïti zu chaotischen Mischformen kommt, macht eine Beurteilung nicht leichter (Vaudou ist ja sogar legale und legalisierende Staatsreligion. Auch die Mehrheit darf entscheiden was „gut“ ist).

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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