Haiti: Man wird nur einmal 80!► Seite 2

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Datum: 17. Januar 2013
Uhrzeit: 10:16 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Anna ist Kunst- und Katzensammlerin, das bezieht sich nicht nur auf Kunstwerke, sondern auch auf lebende Exemplare. Ich pflegte ihre Sammlung natürlich mit Geschenk- und Schmuckstücken von den unglaublichsten Orten zu bereichern, und irgendwann wird ein Museum fällig sein.

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Ein ganz besonderes Schmuckstück liess ich mir von einem haïtischen Metallwerker bauen, und unter normalen Umständen hätte ich das auch überbringen können. Es wurde eben vor dem unsäglichen Schütteln noch fertig und brachte es in Gresye bis auf mein Türmchen, als es losrüttelte. 316.000 waren tot, das Kätzchen hatte überlebt.

Das wusste aber noch niemand. Wie es sich selber während des Schüttelns verhalten hatte, hat auch niemand gesehen, es hat wohl heftig gefedert. Denn das Kätzchen ist beweglich, hat doch der Künstler Federn und Gelenke eingebaut. Anna bat mich, nach Kätzchen zu graben, was auch geschah. So bezahlte ich die wundervolle Arbeit zweimal, was tut’s. Jetzt heisst das metallene Büsi sinngemäss „Ritruvi“, „das Wiedergefundene“.

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Ich versprach meinen einstigen Mitarbeitern, die noch die Ruinen bewohnten, eine Summe, wenn sie das Kätzchen finden und ausgraben würden. Und sie wurden fündig, und haben die Metallplättchen sogar gereinigt, nur vereinzelte fehlen. Ihre ursprünglichen Farben erkennt man nicht mehr, aber Kätzchen ist noch relativ intakt, zittert und federt mehr denn je. Nur ein paar Tage nach meinem Europa-Fernseh-Intermezzo brachte mir Makinsohn das Tierchen nicht an einer Leine, aber in einem Plastiksack. Und das Telefon läutete bei Anna augenblicklich und verkündete die frohe Botschaft.

Die Bedingung lautete natürlich, das Tierchen sei hier selber abzuholen. Und heute, an meinem 80., ist es so weit. Anna ist da, und wir feiern die Auferstehung von Ritruvi, das Überleben Ottos (am 12. Januar vor 3 Jahren) und das Fest, das man nur alle 80 Jahre feiert. So wünschen wir ihm mindestens weitere 80 Jahre, und für uns alle eine glückliche Zukunft.

Auch meine Frau Rosi, die ja hier stängelte, weilt heute im Geiste mit Bestimmtheit bei uns. Physisch ist sie an ihre Klinik in Walenstadtberg gebunden, sodass du mit einem Konterfei von uns Vorlieb nehmen musst, das auf den letzten Besuch zurückgeht.

Vielleicht sind auch meine lieben adoptierten Kinder dabei. Ich hatte sie ja als Knirpse entführt und bin damit „der älteste Kidnapper Haïtis“, ein zwar zweifelhafter Rekord. Im Irrglauben, ihnen dort drüben eine bessere Zukunft zu bauen, an mir hat es jedenfalls nicht gefehlt.

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uch meine lieben, x.000 Leser haben ein Recht dabei zu sein und mitzufeiern. Klar sind da auch die Spamstreuer darunter, die fast täglich Millionen für die Strassenkinder versprechen. Über einer gewissen Obergrenze nehme ich Versprechen schon gar nicht mehr an und schmeisse sie direkt in den Papierkorb. Und dann kommen die Googles, die mich abstrafen, nicht weil „ich“ zu viel Bein (Mädchenbein) gezeigt, sondern weil ich durch das Verulken der zigarrekauenden Nackedeien in der Domrep ein verbotenes Wort gebraucht und dadurch Reklame für Rauchwaren gemacht hätte … Aber es bleibt die Hoffnung, wenn die mich als unbedarften Regelfrefler entdeckt haben, könnte das ja auch meinen täglichen Spamgaunern blühen. Ich hege jedenfalls Hoffnung und Schadenfreude gegen Unbekannt, Schadenfreude zum Voraus.

Das Leben wird digital. Entweder man lebt noch, dann wird man einmal 80 und ist dankbar, oder man lebt nicht mehr, dann geht auch das nicht mehr.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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