Rechtsfreier Raum auf Bananenplantagen in Ecuador

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Die Bananen von Noboa werden unter dem Chiquita-Label auch in deutschen Supermärkten verkauft (Foto: Latinapress)
Datum: 07. Februar 2019
Uhrzeit: 11:36 Uhr
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Autor: Redaktion
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Der anhaltende Kampf deutscher Supermärkte um die günstigsten Preise für Bananen verschlimmert die schlechten Bedingungen auf Bananenplantagen. Die Firma Noboa, einer der größten Bananenproduzenten Ecuadors, entlässt systematisch Beschäftigte, die Gewerkschaften gründen, um sich gegen niedrige Löhne und unbezahlte Überstunden zur Wehr zu setzen. Die Bananen von Noboa werden unter dem Chiquita-Label auch in deutschen Supermärkten verkauft. Oxfam fordert von den beteiligten Supermärkten und Chiquita, dass sie sich für die Einhaltung der nationalen Gesetze und die Wiedereinstellung der Gewerkschafter einsetzen.

Bei Noboa, einem der größten Bananenproduzenten Ecuadors, schlossen sich zu Jahresbeginn 46 Beschäftigte der Hacienda Julia in einer Gewerkschaft zusammen. Als das Arbeitsministerium Anfang Februar die neue Gewerkschaft und das Unternehmen über die erfolgreiche Registrierung informierte, reagierte der Bananenexporteur prompt: Alle 46 Neugewerkschafter*innen wurden fristlos entlassen. „Die Firma hat von uns immer mehr Überstunden gefordert, die nie korrekt bezahlt wurden. Und als wir uns getroffen haben, um über diese Probleme zu sprechen, sind wir vom Management auch außerhalb der Plantage überwacht und unter Druck gesetzt worden“, berichtet Romel Rivera, der von seinen Kolleg*innen zum Generalsekretär der neuen Betriebsgewerkschaft gewählt worden ist. „Am Freitag hat das Arbeitsministerium unsere Gewerkschaft anerkannt, am Montag wurden wir alle entlassen. Einige der Kollegen haben ihr halbes Leben bei Noboa gearbeitet.“

„Wir sind höchst beunruhigt. Unsere Partnerorganisationen in Ecuador berichten uns immer häufiger von solchen Fällen. Es scheint, als seien die Bananenplantagen ein rechtsfreier Raum“, sagt Frank Braßel, Leiter der Oxfam-Kampagne „Fairness Eintüten!“. Bereits Ende 2017 wurde eine Gewerkschaft auf der Noboa-Farm Los Álamos illegalerweise zerschlagen. Juristische Konsequenzen hatte dies bis heute nicht.

Noboa-Bananen bei Rewe, Edeka und Kaufland? Oxfam fordert Aufklärung

Noboa ist ein wichtiger Lieferant von Chiquita, deren Bananen bei großen deutschen Supermärkten wie Edeka und Rewe verkauft werden. Zumindest bis zum vergangenen Jahr verkaufte Kaufland Bananen von Noboa unter dem Label „Bonita“. Oxfam hat sich daher mit der Bitte um Aufklärung der rechtswidrigen Vorgänge an Chiquita und die deutschen Supermärkte Rewe, Edeka und Kaufland gewandt. „Die Gewerkschaftsfreiheit ist ein zentraler Baustein jeder Nachhaltigkeitspolitik. Wir haben bereits bei dem Konflikt 2017 mehrfach bei Chiquita interveniert – leider ohne eine aussagekräftige Antwort erhalten zu haben“, so Braßel. „Jetzt müssen das Unternehmen wie auch die Supermärkte energisch reagieren und darauf drängen, dass die Entlassenen wieder eingestellt werden.“

Auch Jorge Acosta, Koordinator der Gewerkschaft ASTAC, einer Partnerorganisation von Oxfam, sieht die Supermärkte in der Verantwortung: „Die großen deutschen Supermärkte müssen ihre Einkaufspolitik überdenken. Sie verlassen sich auf bekannte Marken und bunte Labels für ihre Bananen. Nach unseren Erfahrungen hat dies keine Vorteile für die Beschäftigten. Wenn Chiquita und die deutschen Supermärkte etwas über die Bedingungen auf den Plantagen wissen wollen, müssen sie mit den Beschäftigten und den lokalen Gewerkschaften sprechen.“

Preiskampf der Supermärkte verschärft die Situation auf den Plantagen

Die Situation für die Beschäftigten auf den Plantagen wird auch durch den Preisdruck verschlimmert, den Supermärkte auf Bananenproduzenten ausüben. Seit einigen Monaten gibt es einen massiven Preiskampf: Nachdem Lidl im vorigen Jahr ankündigte, komplett auf fair gehandelte Bananen umzustellen, scheint die Situation sich immer weiter zuzuspitzen und die anderen Ketten unterbieten sich in den günstigsten Angeboten. Die Niedrigpreise werden von den Produzenten an ihre Beschäftigten weitergegeben und gefährden die Existenz vieler kleinbäuerlicher Produzenten und die Menschenrechte von Arbeiter*innen.

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